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13. Tag: Viejejåhkå · Viejevágge

Durch das Viejevágge

Durch Weidengestrüpp zum Viejejåhkå

Das Wetter für heute war nicht so gut angesagt und so bin ich froh, dass es morgens nicht regnet. Trotzdem ist das Zelt von Innen nass, wahrscheinlich jede Menge Kondenswasser. Fürs Frühstück habe ich über Nacht Cous-Cous mit Aprikosen in Trinkjoghurt eingeweicht. Appetit habe ich nun nicht da drauf, der Tag fängt schon mal gut an.

Zeltplatz oberhalb des ViejejåhkåZeltplatz oberhalb des Viejejåhkå

Für heute steht das Viejevágge auf dem Plan. Der Viejejåhkå fließt in dem überwiegend grünen Tal durch mehrere Canyons. Irgendwo werde ich den Fluss queren müssen, da ich am Südende das Viejevágge vom westlichen Ufer verlassen möchte, um über einen Pass weiter zum Silbbatjåhkkå zu gelangen. Grundsten empfiehlt den kleinen Umweg statt der steilen Direktroute und beschreibt mehrere Stellen um den Fluss zu queren. Ob es noch weitere gibt, ist mir nicht ganz klar. Ich werde es herausfinden. Bis zum Ufer des Viejejåhkå muss ich jedoch erst einmal ein Sumpfgebiet und ganz viel Weidengestrüpp bewältigen.

Talausgang des Viejevágge
Talausgang des Viejevágge

Gegen halb 10 komme ich los. Die Zelte am Nordkalottleden sind bereits abgebaut. Nach den nassen Erfahrungen von gestern, ziehe ich gleich die Regenkleidung sowie Gamaschen an. Ich folge dem Pfad, der zum Teil auch von einem Quad befahren wurde. Er führt hinauf zur Rengårde am Jållejávrre. Auch wenn die Wolken noch tief hängen, es bleibt erst einmal trocken. Ich folge dem Pfad und passiere Sumpfflächen. Nicht immer ist klar, wo der Pfad den Sumpf wieder verlässt und im Weidengestrüpp verschwindet.

Viejejåhkå
Viejejåhkå

Am ersten zu querenden Fluss verliere ich den Pfad total. Er führt eigentlich den Hang hoch, aber anscheinend verläuft er nun tiefer als in der Karte eingezeichnet. Dann entdecke ich den Pfad wieder. Zwischen uns liegen einige unnötige Höhenmeter und Weidengestrüpp.

ElchElch

Ich überlege kurz ob sich der Abstieg lohnt oder ich einfach weiter aufsteige und weiter oben wandere. Da ich das Gelände dort aber gar nicht einblicken kann steige ich lieber wieder ab und folge dem Pfad weiter. Als ich nach oben Blicke entdecke ich einen Elch zwischen den Büschen liegen. Er hat ein kleines Geweih und lacht sich wahrscheinlich scheckig wie ich mich da durch das Gestrüpp wühle.

Canyon am JållevárreCanyon am Jållevárre

Ich folge nun wieder den Spuren und erreiche bald den Viejejåhkå. Unterhalb eines Canyons verbreitert sich der Fluss. Das Wasser ist recht flach und ich überlege, ob ich den Viejejåhkå bereits hier quere. Die vielen Steine versprechen eine Querung trockenen Fußes. Als ich aber am Ufer ankomme, sehe ich, dass ich den ersten Meter nicht so einfach queren kann. Und auf nasse Füße habe ich erstmal keine Lust.

Die Canyons des Viejejåhkå

Canyon am JållevárreCanyon am Jållevárre

Dafür lockt der Wasserfall oberhalb der Furt. Es erwartet mich eine rund 20 Meter tiefe in den Fels gewaschene, unüberwindbare Schlucht. Die Sonne scheint und während ich meine Regen- gegen die Softshelljacke wechsel, überlege ich, ob ich vielleicht doch unterhalb durchs Wasser sollte. Denn bleibe ich auf dieser Seite, bedeutet dies auch, dass ich die nächsten Zuflüsse auf der nördlichen Talseite queren muss. Erst oberhalb dieses Schluchtenabschnitts werde ich wieder Möglichkeiten haben, ans andere Ufer zu kommen. Den erste Zufluss kann ich schon sehen, aber er erscheint mir überwindbar.

Canyon am JållevárreCanyon am Jållevárre

Ich wandere über Grasflächen am Schluchtrand entlang. Es ist immer wieder faszinierend wie sich Wasser so tief in den Felsen graben kann. Das Wasser ist glasklar und dort wo es ruhig fließt, schimmert es türkisfarbend. Dazwischen sind kleine Stufen, über die es weiß schäumend hinab rauscht.

ViejejåhkåViejejåhkå

Am Zufluss vom Gálmetjåhkkå ist der Canyon besonders tief und der Viejejåhkå stürzt sich über einen Wasserfall tosend hinab. Vom nördlichen Ufer aus, kann man ihn wesentlich besser bewundern, als vom Südufer aus. Die Querung des Zuflusses verläuft problemlos. Der Hang ist nun zwar etwas steiler, aber es lässt sich einfach entlang gehen. Es dauert nicht lange und das Tal weitet sich. Oberhalb der Schlucht gibt es die nächste Möglichkeit den Viejejåhkå mit nassen Füssen zu queren. Ich entschließe mich jedoch erst einmal auf meiner Seite zu bleiben und hoffe weiter oben in Schuhen queren zu können.

ViejejåhkåViejejåhkå

Das Wetter ist recht wechselhaft. Immer wieder ziehen Wolken durch das Tal und versprühen feinen Nieselregen. Dann scheint die Sonne wieder und taucht die Landschaft in ein schönes Licht. Der Viejejåhkå mit seinen Kiesbänken und Schluchten bietet Abwechselung. Es gibt Hinweise darauf, dass bereits Linné 1732 hier auf seinen Weg nach Stáloluokta durchgewandert ist. Die Zuflüsse fließen auch oft in Schluchten oder Felsrinnen, lassen sich aber alle gut am Zufluss queren.

Furt im ViejejåhkåFurt im Viejejåhkå

Am südlichen Talende, wird das Flussbett wieder schmaler und die Ufer steiler. So langsam wird es Zeit das Ufer zu wechseln. Der Berg 1208 liegt vor mir in den Wolken. In will ich westlich umrunden, da die östliche Route zum Silbbatjåhkkå, zwar direkter, aber steiler und beschwerlicher sein soll. Es ist 16:30 und es spricht eigentlich nichts dagegen mir hier unten einen schönen Zeltplatz zu suchen. Auch wenn der Viejejåhkå nicht viel Wasser hat, finde ich beim Entlangwandern keine Stelle, in denen ich in Schuhen trocken rüber komme. Als ich eine einfache falche Furt sehe, wechsel ich in die Crocs.

Zeltplatz am ViejejåhkåZeltplatz am Viejejåhkå

Kaum sind die Schuhe aus, fängt es wieder an zu regnen. Dafür findet sich am anderen Ufer schnell ein Platz fürs Zelt. Nach dem Einkauf gestern war der Rucksack heute spürbar schwerer. Ich suche mir fürs Abendessen also etwas Schweres und entscheide mich für Mandel-Reis. Das sind schon mal 160g weniger. Ob ich das wirklich morgen spüren werde? Während ich koche zieht eine Rentierherde am anderen Flussufer vorbei. Sie lassen sich nicht von meiner Anwesenheit stören und suchen die Bodensträucher nach einem leckeren Abendessen ab. Nach dem Essen drehe ich noch eine kleine Runde um das Zelt. Wolkenschwaden ziehen durch das Tal. Einige der Rentiere stehen nun auf einem Hügel hinter meinem Zelt und beobachten mich.

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