Nach Egernsund
Um 6:30 Uhr stehen der Rennradfahrer und ich auf. Da es noch nicht regnet, möchte ich so lange es trocken bleibt, etwas Strecke machen. Wir frühstücken und räumen möglichst geräuschlos auf. Um 8 Uhr verabschiede ich mich und wandere los. Mein erster Punkt ist der Leuchtturm Forfyr Rinkenæs, wo ich wieder am Ufer der Ostsee ankomme. Die Wolken hängen tief über der Landschaft, sodass ich das andere Ufer der Bucht mit meinem Tagesziel heute nicht sehen kann. Das spiegelglatte Meer geht einfach in den Wolken über. Zwei Seekajakfahrer paddeln vorbei.
Hinter Dalsgård verlässt der Gendarmstien das Ufer erneut und folgt einer kleinen Straße. Nach einem schilfigen Sumpfgebiet und der Querung des Baches Fuglkærbæk über eine Holzbrücke stehe ich am Rande des Campingplatzes Lærkelunden Camping. Der Weg führt zwischen Wohnmobilen und dem Strand entlang. Während einige noch schlaftrunken aus ihren Blechunterkünften schauen oder davor sitzen, wandere ich mit wenigen Metern Abstand draußen vorbei.
Hinter dem Campingplatz führt der Weg am Ufer der Rinkenæs Bugt entlang. Den nördlichen Teil entlang einer Niederung kann man bei hohen Wasserständen nicht trockenen Fußes gehen. Da der Wasserstand jedoch niedrig erscheint, ignoriere ich den Wegweiser Alternative rute, welcher über Anchor führt. Das Ufer ist zum großen Teil in Privatbesitz, weshalb der Wanderweg den Strand entlang verläuft. Ich treffe wieder auf die beiden Seekajakfahrer, die hier eine Pause machen. An der Niederung vorbei und nach einem weiteren Strandstück erreiche ich schließlich den Strand des Alnor Strandparks. Dort steht eine große Kiste mit Sandspielzeug zum Spielen bereit.
Aus der Ferne sehe ich noch Wanderer am Shelter Alnor Strandpark, weshalb ich auf einen Besuch verzichte und stattdessen das öffentliche WC ansteuere. Kaum bin ich angekommen, fängt es an zu regnen. Ich ziehe die Regensachen an und fülle am Waschbecken hinter dem Toilettenhäuschen Wasser auf. Im Nieselregen wandere ich die Straße entlang zur Klappbrücke Egernsundbroen.
Durch Egernsund bei Nieselregen
Während es gestern sehr warm war, ist es heute ohne Sonne einfach ungemütlich kalt. Als ich zur Klappbrücke komme, schaue ich auf die Uhr. Da sie 9:30 Uhr anzeigt, bin ich ganz froh, denn stündlich um 15 Minuten nach öffnet sich die Klappbrücke und ich hätte warten müssen. Vor der Brücke zweigt ein Weg zu einer Treppe ab, über die ich zur Straße hinaufgelange. Auf der anderen Seite führt eine enge Wendeltreppe hinunter. Es ist mir noch zu früh für einen Hotdog, weshalb ich gar nicht erst prüfe, ob der Hafenkiosk geöffnet hat.
Im Regen durch Egernsund zu latschen, entspricht nicht gerade meiner Vorstellung von einem schönen Urlaub. Schnurstracks geht es die Sundgade entlang und der Regen wird stärker. In der Egernsund Kirke findet gerade ein Gottesdienst statt. Ansonsten hätte ich geschaut, ob ich dort etwas Zeit im Trockenen verbringen könnte. Stattdessen gehe ich den Fjordvej entlang zur Küste und der Regen lässt wieder etwas nach.
Der Yachthafen Marina Minde kommt in Sicht. In der offenen Halle Valhalla laden Picknicktische im Trockenen zum Verweilen ein. Ich treffe zwei Wanderer, die genau das gemacht haben und nun weitergehen. Auch ich kann nicht widerstehen. Das Regenradar verspricht für in einer halben Stunde trockenes Wetter, also setze ich mich, esse etwas und warte solange ab.
Nach Broager zum Shelter Broagervigvej
Um 10:40 Uhr hat es tatsächlich aufgeklart und bei zunehmend besserem Wetter wandere ich weiter die Küste entlang. Vorbei an Rendbjerg erreiche ich bei Egeskov den nächsten kleinen Picknickplatz. Im Meer stehen Küstenfischer. Kurz vor dem Leuchtturm Vinkelfyr verlässt der Gendarmstien die Küste und folgt für eine Weile dem Egeskovvej. Zwischen Feldern hindurch geht es dann direkt auf die beiden Kirchtürme von Broager zu.
Am Ortsrand von Broager schwenkt der Wanderweg nach Süden und umgeht die Ortschaft. Entlang des Ortsrands erreiche ich den Nejsvej. An der Ecke zum Hvilsø Sti erwartet mich ein Grünstreifen mit einem Picknicktisch. Wegweiser zeigen die Richtung zum Supermarkt und zur Bushaltestelle an. Man kann auch direkt durch den Ort nach Vemmingbund weiterwandern und die Halbinsel Broagerland auslassen. Die Sonne hat inzwischen alle Wolken verjagt, sodass ich einer Rast nicht widerstehen kann, obwohl der Shelter Broagervigvej nicht mehr weit entfernt ist.
Nur widerwillig raffe ich mich auf um die letzten 600 Meter bis zum Shelter zurückzulegen. Der Hvilsø Sti führt mich weiter an den Häusern entlang. In der Ferne kann ich bereits das Ziegelmuseum Cathrinesminde Teglværk erkennen. Der Shelter Broagervigvej liegt an einem kleinen See. Neben der Windschutzhütte steht ein Picknicktisch, und es gibt auch einen Wasserhahn. Als ich wieder den Griff des stylischen Hahns drehe, kommt jedoch kein Wasser. Für die Asia-Nudeln und einen Becher Tee habe ich noch genug Wasser, aber eigentlich wollte ich hier bereits das Wasser für heute Abend abfüllen. Während ich esse, lassen mir die nassen Steine am Wasserhahn keine Ruhe. Dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Ich muss den Griff nicht um die eigene Achse drehen, sondern um die Achse des Wasserhahns, und schon sprudelt das Wasser.
Der Platz ist eigentlich ganz schön. Es gibt sogar eine Komposttoilette. Ich rolle meine Isomatte im Shelter aus, ziehe die schweren Wanderschuhe aus und mache mich lang. Soll ich doch schon hier die Nacht verbringen? Allerdings steht inzwischen der Wind ungünstig und trägt seltsame Gerüche über den See. Es dauert eine Weile, bis mir klar wird, dass sie nicht vom See, sondern von der Kläranlage dahinter kommen.
Zum Iller Strand bei Brunsnæs
Ich packe ein und fülle alle Wasserbehälter voll. Bis zum Übernachtungsplatz Iller Strand kurz vor Brunsnæs sind es noch rund zwei Kilometer. Für Wasser müsste ich sonst zum öffentlichen WC in Brunsnæs laufen, was hin und zurück nur unwesentlich kürzer wäre.
Weiter geht es an Wiesen mit gelbem Löwenzahn vorbei in Richtung Küste und Cathrinesminde Teglværk. Hier soll im Sommer ein Hotdogstand stehen, aber leider bin ich zu früh im Jahr hier. Auch wenn ich gerade etwas gegessen habe, ein Hotdog geht immer. Die Ziegelei Cathrinesminde ist heute ein Museum, das die Geschichte der Ziegeleiindustrie erzählt. Diese hat das Gebiet an der Flensburger Förde über 200 Jahre geprägt. Der Name der Ziegel-Etappe ist somit begründet.
Die Straße Illerstrandvej führt mich nun entlang der Küste. Hier stehen schmucke kleine Häuser, die Ferienfeeling vermitteln. Kurz vor Brunsnæs erreiche ich den Übernachtungsplatz und Shelter Iller Strand. Direkt hinter dem Verbotsschild für Camper steht ein deutsches Wohnmobil auf dem Zeltplatz. Da kommt Freude auf.
Weiter hinten zwischen den Büschen ist auch noch Platz, allerdings steht dort die Komposttoilette. Als ich zum Windschutz gehe, treffe ich auf drei Dänen, die gerade ihre Zelte aufbauen. Direkt neben dem Pfad finde ich einen windgeschützten Platz für mein Zelt. Später am Abend soll es noch kräftig regnen. Einer der Dänen lädt mich ein, ebenfalls zum Windschutz zu kommen. Ein Anwohner mit Hund kommt vorbei. Er spricht Deutsch und meint, der Platz sei bei Deutschen sehr beliebt. Als ich antworte, dass nicht alle die Schilder lesen können, wird er richtig gesprächig. Er versteht sofort, worauf ich anspiele, und erzählt mir, dass der Shelter jedes Wochenende von Leuten mit Auto in Beschlag genommen wird.
Ich gehe noch kurz zum Strand, dann fängt es auch schon an zu tröpfeln. Ich lese etwas und trinke meinen Cappuccino mit Mini-Zimtschnecke. Zum Abendessen gibt es Makkaroni in Pilzsauce. Der Regen ist leicht, aber ausdauernd. Schließlich gehe ich ins Bett. Am späten Abend werde ich wach. Der Regen trommelt aufs Dach. Ich hatte das Zelt nach Sonnenuntergang nicht neu abgespannt und stelle nun fest, dass sich über mir ein See im Außenzelt gebildet hat. Zum Glück hält es dicht. Nachdem ich die Zeltabspannleinen vorne nachgespannt habe, ist das Problem gelöst und ich schlafe schnell wieder ein.




