Anreise von Hamburg zum Gendarmstien nach Padborg
Die Anfahrt beginnt mit einer Verzögerung, da es kurz hinter Hamburg eine Streckensperrung gibt. Zum Glück habe ich zu Hause noch gecheckt, ob alles fährt, sodass ich einfach zwei Stunden später losfahre. Der RE7 um 9:42 Uhr ist der erste Zug, der wieder vom Hauptbahnhof Richtung Norden fährt, und entsprechend voll. Der EC nebenan steht auch bereit, aber da ich ein Deutschlandticket besitze, habe ich mich für die Anreise über Flensburg entschieden. Zu allem Überfluss kommt noch ein Defekt an einem Bahnübergang hinzu. In Flensburg verbleiben nur drei Minuten für den Umstieg. Noch im Zug kaufe ich mir das Ticket für die Strecke Flensburg - Padborg St. Der Flexpreis Europa der Deutschen Bahn kostet 12,70€ und gilt für alle Zugverbindungen. Bei der Dänischen Bahn gibt es die zehnminütige Fahrt schon für 32 Kronen (4,30 €).
In Padborg führen die Dänen ihre Grenzkontrolle durch. Ich steige aus. Für mich interessiert sich niemand und wenig später stehe ich etwas verloren vor dem Bahnhofsgebäude. Eine Bank, um meinen Rucksack umzupacken, wäre nett, ebenso ein Wegweiser, der mir zeigt, wohin ich nun muss. Da ich beides nicht finde, packe ich meinen Rucksack am Ende des Parkplatzes um. Es ist bereits 12:30 Uhr, als ich loswandere. Mein Garmin weist mir den Weg. Einfach die Straße Jernbanegade weiter und dann rechts in die Nørregade.
Kurz vor der Bahnbrücke erreiche ich den kleinen Park Gendarmengarten. Die Bäumen und Wiesen blühen und Bänke laden zum Verweilen ein. Hier befindet sich ein Gedenkstein für die ersten Opfer der deutschen Besatzung. Am 9. April 1940 wurden die drei dänischen Grenzgendarmen Albertsen, Birk und Hansen um 4 Uhr morgens von deutschen Soldaten in Zivilkleidung kaltblütig erschossen.
Meine Aufmerksamkeit gilt jedoch dem großen Wegweiser an der Straßenecke Haraldsdalvej. Mit blauer Schrift auf weißem Grund wird mir der Gendarmsti verkündet. Ich hätte statt die Straße entlangzugehen auch direkt über den Bahnsteig die Brückenunterführung erreichen können.
Von Padborg nach Kruså
Von nun an werde ich den Schildern mit den blauen Gendarmen auf weißem Grund bis nach Skovby folgen. An der Straßenecke steht auch gleich die erste öffentliche Toilette. Sie sind in Dänemark durchgehend sauber und werden mich in den nächsten Tagen mit Trinkwasser versorgen.
Ich folge dem Haraldsdalvej in südlicher Richtung. Direkt an der Grenze endet die Straße und der Gendarmpfad führt durch den Padborger Wald in Richtung Niehuussee. Er führt durch die Schlucht Haraldsdalskløften ins Krusau-Tunneltal. Mächtige Bäume säumen die tief ausgewaschene Schlucht.
Vorbei an einer Freilichtbühne erreiche ich den Niehuussee. Zwischen dem See auf deutscher Seite und dem Wanderweg auf dänischer Seite steht ein hoher Zaun. Der Wildschweinzaun soll den Übertritt von Wildschweinen verhindern, um die Einschleppung die Afrikanischen Schweinepest nach Dänemark zu verhindern. Ich erklimme über Felder einen Hügel und habe einen guten Blick auf den See.
Begleitet vom Zaun wandere ich weiter nach Norden zum Grenzübergang Rønsdam. Der geschwungene Trichter des Erdtelefons kündigt ihn an. Auf beiden Seiten der Grenze befindet sich ein solcher Trichter aus Metall, der unterirdisch mit einem Rohr verbunden ist. Da ich allein bin, kann ich die Verbindung leider nicht ausprobieren. Ein paar Meter weiter stehe ich am offenen Schlagbaum. Ein Viehgitter verhindert die Überquerung durch Wildtiere, denn schließlich ist der Wildschweinzaun hier unterbrochen. Am Grenzübergang treffe ich auf den historischen Heer- und Ochsenweg (Hærvej). Auf dieser Handelsroute wurden ab dem Mittelalter Rinder vom Norden Dänemarks bis zur Elbe getrieben. Nur ein paar Meter vom Gendarmpfad entfernt kann man in Rønsdam noch ein Stück der Originalstraße bewundern. Der "Krumme vej" wurde 1975 wieder freigelegt.
Weiter geht es für mich durch die hügelige Landschaft zum Møllesøen. Schon bald begleitet mich der Wildschweinzaun wieder. In der Nachmittagssonne ist es richtig warm und so freue ich mich, als ich beim Abstieg zum Møllesøen einen Picknicktisch sehe. Eine willkommene Rast. Viel zu trinken habe ich nicht mehr, aber bis zur Toilette auf dem Parkplatz in Kruså, unweit des Grenzübergangs Kruså/Kupfermühle, ist es kein Kilometer mehr.
Über die Straße Transitgården erreiche ich die dänische Seite des Grenzübergangs Kruså/Kupfermühle. In der Straßenmitte befindet die Bushaltestelle Kruså, an der auch die Busse der Linie 110 Flensburg/Sønderborg halten. Auf der anderen Straßenseite erwarten mich ein Parkplatz und das inzwischen heiß ersehnte öffentliche WC. Ich muss meinen Becher zur Hilfe nehmen, um die Flasche und den Trinkbeutel zu füllen. Ich entscheide mich, 1½ Liter mitzunehmen, denn der Übernachtungsplatz ist nicht mehr weit.
Von Kruså in den Kollund Skov
Mit dem deutlich schwereren Rucksack folge ich dem Madeskovvej in Richtung Grenze. Dort biegt der Weg ab, quert die Krusau und führt in den Kollunder Wald. Auf dem Weg zur Flensburger Förde durchschreite ich den Wildschweinzaun zweimal. Auf der rechten Seite passiere ich die Abrahams Kilde (Abrahamsquelle), die kräftig sprudelt. An einem Grillplatz setze ich mich noch einmal kurz hin. Ein Pfad führt hinab zum Industriemuseum Kupfermühle. Beim Blick auf die Uhr entscheide ich mich gegen einen Besuch. Es ist nicht nur Freitag, sondern auch der 1. Mai und ich rechne mit vielen anderen Interessierten auf dem Zeltplatz oder am Shelter.
Ich wandere weiter zum Grenzübergang Skomagerhus (Schusterkate). Er liegt direkt an der Mündung der Krusau in die Flensburger Förde und kann von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden.
Endlich stehe ich am Ufer der Ostsee im Gewand der Flensburger Förde. Es gibt Informationstafeln und einen stylischen Wasserhahn. Hier möchte ich noch einmal Wasser für Abendessen und Frühstück auffüllen. Ich drehe am Griff, doch es kommt kein Wasser. Ein Radfahrer hält und versucht es auf dieselbe Weise. Mist. Aber zum Glück hatte ich in Kruså so viel Trinkwasser abgefüllt, dass ich über die Nacht komme. Wie man den Wasserhahn richtig betätigt, habe ich erst am Shelter Broagervigvej herausgefunden.
Auf dem Wanderweg entlang der Förde herrscht reger Betrieb. Nach rund 500 Metern zweigt der Pfad zu den freien Windschutzhütten am Ufer ab. Mit lauter Musik aus dem Ghettoblaster wird das Revier markiert. Zwei Hütten mit unterschiedlichen Musikgeschmack, was kann schon schief gehen.
Mich zieht es zum Teltplads, der nur ein Stückchen entfernt liegt. Dort hat bereits eine kleine Pfadfindergruppe ihr Lager aufgeschlagen. Sie machen mich auf einen freien Platz weiter oben in der Schlucht aufmerksam. Ich folge dem Pfad, der an einem Wasserlauf entlangführt, bergan und erreiche schließlich eine kleine Fläche zwischen den steilen, hohen Wänden. Es ist kaum zu glauben, dass dieses kleine Rinnsal die Schlucht geformt hat. Ich stelle mein Zelt so auf, dass es eben ist und möglichst weit von der Feuerstelle entfernt steht, da ich mit noch mehr Wanderern rechne. Und so kommt es auch. Zwei Dänen lehnen dankend ab, aber ein Paar, das Deutsch und Englisch spricht, stellt sein Zelt auf.
Da ich kein weiteres Wasser abfüllen konnte, gibt es heute Abend Couscous mit Pfeffersauce. Ich brauche noch etwas Wasser für das Müsli zum Frühstück. Damit bleibt genug für einen Cappuccino und jeweils einen Becher Tee.
Nach dem Abendessen drehe ich noch eine kleine Runde. An den Windschutzhütten läuft der Musikwettkampf immer noch. Als ich zurückkomme, suchen meine Nachbarn Feuerholz. Ich verkrieche mich in mein Bett und schlafe nach diesem langen Tag auch schnell ein.




