Gendarmstien
Unterwegs auf dem Gendarmenpfad an der Flensburger Förde

4. Tag: Iller Strand · Brunsnæs · Gammelgab · Kragesand · Skelde Kobbelskov

Von Brunsnæs zum Skelde Kobbelskov

Von Brunsnæs nach Gammelgab

Übernachtungsplatz Iller StrandÜbernachtungsplatz Iller Strand

Nach einer stürmischen Nacht mit starkem Regen scheint am Morgen wieder die Sonne. Allerdings weht ein kräftiger, kalter Wind. Mein Ziel ist heute der einfache Übernachtungsplatz im Skelde Kobbelskov. Rund 14 Kilometer liegen vor mir. Trinkwasser kann ich rund 1½ Kilometer vorher am Shelter ved Frydenlund noch einmal auffüllen. Ich lasse mich von der Sonne wecken, frühstücke und habe um 9:20 Uhr alles gepackt. Der Anwohner schaut auf seiner Gassirunde noch einmal vorbei, um zu sehen, ob bei uns alles in Ordnung ist. Zumindest ist das Wohnmobil verschwunden.

Iller Strand
Iller Strand

Meine dänischen Zelt-Nachbarn packen auch gerade ein, als ich los gehe. Ich verabschiede mich und gehe die Uferstraße entlang zum Hafen von Brunsnæs. Dort mache ich noch einen kurzen Abstecher zum WC, das auch als Trinkwasserquelle dient. Am Hafen beginnt auch die Krähen-Etappe, die symbolisch für die vogelreiche Landschaft steht.

Ufer bei BrunsnæsUfer bei Brunsnæs

Der Gendarmstien führt nun über Privatgelände entlang der Küste bis nach Kejserdom. Der kalte Wind weht über das Meer und ich bin trotz Sonnenschein froh, meine Windbreakerjacke angezogen zu haben. Der Uferweg ist sehr schön, aber viel zu schnell vorbei. An den Häusern von Kejserdom geht es über Kieswege durch das Landesinnere an gelben Feldern mit Löwenzahn oder Raps vorbei. Nach zwei Kilometern führt eine Straße mich bei Busholm wieder zur Förde, wo mich ein Picknicktisch am Naturstrand erwartet. Die ersten vier Kilometer habe ich schon geschafft und der Einladung zur zweiten Frühstückspause kann ich nicht widerstehen.

Feldweg bei GammelgabFeldweg bei Gammelgab

Leider ist dieses Strandstück nur kurz, dann geht es schon bald wieder über Fahrwege Richtung Gammelgab. Der Weg steigt langsam an und ermöglicht einen weiten Ausblick bis zum deutschen Ufer der Förde. In Gammelgab steht ein besonderer privater Shelter aus Ziegelsteinen, den man mieten kann. Gleich am ersten Grundstück erspähe ich ihn. Am Skeldevej 33 verspricht ein Schild zudem Wasser und Kaffee.

Ich passiere zwei über Privatgrund führende Querwege, dann wechselt der Gendarmstien an einem Stall vorbei zur Parallelstraße Wolffsgårdsvej und führt mich wieder in Richtung Küste.

Von Gammelgab zum Kragesand

Strand am WolffsgårdsvejStrand am Wolffsgårdsvej

Ich wandere auf dem Wolffsgårdsvej wieder zum Ufer und erreiche einen kleinen Rastplatz mit Strand. Es ist bereits 12 Uhr, doch für die Mittagspause habe ich mir Kragesand vorgenommen. Bis dahin sind es noch rund vier Kilometer. Trotzdem setze ich den Rucksack ab und lege ein kleines Päuschen ein.

Der Gendarmstien führt nun die Küste entlang. Überwiegend verläuft er am Feldrand oberhalb eines Steilufers, bis ich schließlich eine Bucht mit Sandstrand erreiche. Hinter dem Strand befindet sich eine schilfige Niederung. Da noch immer eine kräftige Brise über den Sandstrand weht, bin ich froh, dass sich der Wanderweg windgeschützt zwischen Gestrüpp und Schilf hindurchschlängelt. Über eine Holzbrücke quere ich schließlich den Bach, der das Feuchtgebiet entwässert.

Am südlichen Ende des Strands geht es auf einem Fahrweg wieder ins Landesinnere. Ich passiere einen Hof mit Schweinestall, in dem einige Aufregung herrscht. Diese erklärt sich wenig später, denn auf dem Fahrweg steht ein Viehtransporter, der gerade von einem Viehanhänger aus beladen wird. Ich passiere die beiden Fahrzeuge und sehe zu, dass ich schnell zu Hauptstrasse komme.

Bank mit SteinstelenBank mit Steinstelen

Der Asphalt begleitet mich nur ein kurzes Stück, dann führt der Gendarmstieg auf einem Fahrweg in Richtung Küste weiter. An einer Viehwiese geht es auf einem schmalen Pfad weiter. Hinter dem Elektrozaun stehen zwei Stelen mit einer Steinbank, doch die Umgebung ist verwildert und auf der Sitzfläche steht privat. Ein paar Meter weiter gibt es dafür eine Holzbank am Hang, von der aus man die gleiche schöne Aussicht hat. An der Bank schwierren ein paar Große Wollschweber, die ich beobachten kann.

KragesandKragesand

Ich gehe weiter an der Weide entlang und lande schließlich am Strand von Kragesand. Ein großer Parkplatz lässt erahnen, was im Sommer hier los ist. Jetzt stehen nur zwei Autos dort. Ich suche mir ein Stück Rasen um den Sand in meinem Mittagessen zu verhindern und mache Mittagspause. Zuerst gibt es Asianudeln, dann lege ich mich auf der Isomatte in die Sonne.

Von Kragesand zum Skelde Kobbelskov

Am KiestrandAm Kiestrand

Von Kragesand aus führt der Gendarmstien weiter an der Küste entlang. Er quert zunächst den Parkplatz und folgt dann einem Feldweg. Dieser endet am letzten Picknickplatz des Kragesander Strands. Der schmale Pfad führt nun ein Stück am Steilhang entlang, der als Liebestunnel bekannt ist. Durch Wind und Wetter haben die Bäume und Sträucher einen Hohlweg geformt. Die Sturmflut von 2023 hat diesen jedoch zum großen Teil zerstört, sodass nur noch Reste existieren.

Zwischen Meer und SteiluferZwischen Meer und Steilufer

Schon bald leitet mich der Gendarmstien an den Strand. Für die nächsten 1½ Kilometer geht es nun zwischen Steilufer und Wasser entlang. Der feine Sandstrand weicht bald runden Kieselsteinen. An den Stellen, an denen es durch den Sand geht, ist das Wandern etwas anstrengend. Das Gleiche gilt für Stellen mit großen Steinen. Dazwischen lässt es sich aber auf einem deutlich sichtbaren Pfad gut gehen. Mir kommt ein Küstenfischer entgegen und bald darauf kann ich den Wald Skelde Kobbelskov sowie ein weißes Haus sehen. Das Steilufer wird niedriger und schließlich stehe ich an einer Holztreppe, die zu einem kleinen Parkplatz führt. Direkt an der Treppe steht unter anderem ein Wohnmobil, das mir vom Vortag bekannt vorkommt.

Shelter ved Frydenlund Shelter ved Frydenlund

Zwischen den Blechkisten hindurch erreiche ich den Shelter ved Frydenlund. Die Windschutzhütte steht mit der Rückseite zum Meer. Auf der davor gelegenen Wiese darf gezeltet werden. Komposttoilette, Feuerstelle und Wasserhahn, machen ihn zu einem perfekten Platz. Zum Glück verhindert ein kleiner Zaun, dass die Wiese befahren wird. Bis zum Übernachtungsplatz im Skelde Kobbelskov sind es keine 1½ Kilometer mehr. Dort gibt es weder Wasser noch eine Toilette. Vor allem gibt es keine Wohnmobile, die die Sicht aufs Meer versperren. Ich setze mich an den Picknicktisch und fülle Wasser auf.

StrandStrand

Nach kurzer Rast wandere ich weiter. An einem kleinen Ferienhaus vorbei geht es über einen schönen Strand zum weißen Haus, das ich bereits von der Steilküste aus gesehen hatte. Das Wasser scheint hier oft höher zu stehen. Die Zufahrt zum Haus führt mich vom Ufer weg zum Waldrand des Kobbelskov. Der Gendarmstien biegt hier nun wieder auf schmalen Weg und führt zurück Richtung Ufer.

Im Skelde Kobbelskov

Shelter im Skelde KobbelskovShelter im Skelde Kobbelskov

Der Wanderweg führt an alten Bäumen vorbei und erreicht wieder die Steilküste. Dieses Stück entlang der Steilküste erinnert mich an den Gespensterwald in Nienhagen. Auf einer kleinen Lichtung erwartet mich eine große Feuerstelle mit Shelter. Hier will ich also übernachten. Das Gelände ist etwas abschüssig und auf zwei Seiten führt der Weg entlang. Auf dem Schild ist nicht eindeutig zu erkennen, wo das Zelten endet, aber am Ufer befindet sich ein zweiter Picknickplatz. Ich baue mein Zelt in der Nähe auf und genieße den Blick aufs Meer. Zwei Wanderer kommen und überlegen, ob sie den Shelter nutzen sollen, wandern dann aber doch weiter.

Hühnenbett (Langdysse)Hühnenbett (Langdysse)

Der Kobbelskov ist für seine Hünengräber bekannt. Nachdem das Zelt steht, möchte ich sie besuchen. Allerdings weiß ich nicht genau, wo sie sich befinden. Auf meinem Garmin ist ein Pfad eingezeichnet, der von einem Weg, der diagonal von Norden nach Süden verläuft, abzweigt. Ich gehe los und als ich an die Abzweigung komme, steht dort ein kleiner Wegweiser mit einem symbolischen Hünengrab. Ich bin also richtig. Das Hühnenbett (Langdysse) ist gut zu erkennen. Die Hügelgräber stammen aus der Bauernsteinzeit (3600–3200 v. Chr.) und wurden für die führenden Mitglieder der ersten sesshaften Bauerngesellschaft errichtet. Eine kleine Infotafel gibt etwas Hintergrundinformation. Direkt neben dem rechteckigen Hünengrab liegt noch ein rundes. Das zweite rechteckige Grab ist schlechter zu erkennen. Das liegt auch am grünen Gras, welches den Waldboden bedeckt.

Übernachtungsplatz im Skelde KobbelskovÜbernachtungsplatz im Skelde Kobbelskov

Ich gehe zurück und esse zu Abend. Als ich mir noch einmal die Beine vertrete sehe ich, dass auf dem Schild des Übernachtungsplatz die Hünengräber mit einem Symbol eingezeichnet sind. Küstenfischer, Jogger und Mountainbiker kommen noch vorbei, aber für die Nacht bleibe ich allein.

Nachts wache ich auf. Es ist stockdunkel und aus dem Wald schallt ein Schrei. Ich lausche. Wieder höre ich den kläglichen Schrei. Ein Vogel? Solche Laute habe ich noch nie gehört. Kommen sie aus Richtung der Hühnengräber? Genug der gruseligen Gedanken. Dann schlafe ich wieder ein.

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