Gendarmstien
Unterwegs auf dem Gendarmenpfad an der Flensburger Förde

7. Tag: Høruphav · Skovby · Heimreise über Sønderborg und Flensburg

Von Høruphav nach Skovby und Heimat

Am Hørup Hav entlang zum Bootshaus

Primitiv overnatningsplads ved Lambjerg IndtægtPrimitiv overnatningsplads ved Lambjerg Indtægt

Gegen 7 Uhr wache ich auf. Mit 7 °C war es die zweitkälteste Nacht, weshalb ich mich über die Morgensonne freue. Mein Plan ist es, gegen 8 Uhr loszuwandern, um nach einem Supermarktbesuch den Bus um 12:42 Uhr in Skovby zu bekommen. Leider ist das Zelt wieder feucht. Ich frühstücke Müsli und erhitze mit dem Restgas Wasser für einen Becher Tee. Ich packe zusammen und komme tatsächlich wie geplant los. Um die leere Kartusche loszuwerden, muss ich noch eine Extrarunde über den Platz gehen. Bei meiner Nachbarin regt sich noch nichts. Vorbei am Yachthafen erreiche ich das Häuschen des Hafenmeisters. Gegenüber befindet sich das Zollhäuschen, in dem eine Puppe in der blauen Uniform der Gendarmen steht. Hier beginnt die offizielle 5.Etappe des Gendarmstien mit dem Namen Mühlenetappe.

Høruphav
Høruphav

Der Wanderweg führt am Kanu- und Ruderclub vorbei zum kleinen Strand von Høruphav. Die Grundstücke sind Privatbesitz. Ein Schild weist noch einmal darauf hin, dass der Durchgang zu Fuß nach dem Naturschutzgesetz erlaubt ist, der Aufenthalt oder das Baden aber nicht. Am Strandende geht es auf einem schmalen Weg hinauf zur Persillegade. Die Straße Kløften ist eine Sackgasse. Da ich nicht aufpasse, stehe ich plötzlich in der Zufahrt eines Grundstücks. Ein paar Meter zurück, und ich bin wieder auf dem richtigen Weg. Der Gendarmstien führt über eine Holztreppe hinab zum Wasser und weiter auf einem betonierten Uferweg. Kurz vor dessen Ende geht es wieder eine Holztreppe hinauf und dann oberhalb des Steilufers Hørup Klint entlang. Auch diese Rasenfläche scheint ein beliebter Ort für Hundegassirunden zu sein. Ein Paar mit einem Dackel kommt mir entgegen. Der Dackel lässt mich keine Sekunde aus den Augen.

TorpedoversuchsanlageTorpedoversuchsanlage

Am Ende der Rasenfläche zweigt ein Weg hinab zur ehemaligen deutschen Torpedoversuchsanlage. Während des Ersten Weltkriegs wurden von hier aus Torpedos für Tests abgeschossen. Im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmte die deutsche Kriegsmarine das Gelände erneut und führte auf dem abgeschirmten Areal waffentechnische Versuche mit Radar- und Infrarotausrüstung durch. Heute ist davon nicht mehr viel zu sehen. 1958 übernahm ein ortsansässiger Händler das Gelände und zerlegte in den Bunkern Munition. Der Weg führt zu einer Rasenfläche vor den zugemauerten Bunkern. Sie sind die einzigen Überreste der Station, da alle anderen Gebäude in den 1970er Jahren einem Wohngebiet weichen mussten. Der Platz ist recht schön und ein Picknicktisch lädt zum Verweilen ein.

GendarmstienGendarmstien

Als ich auf den Wanderweg zurückkehre, treffe ich erneut auf den Dackel samt Besitzer. Wieder werde ich genau beobachtet. Vorwärts zu gehen und gleichzeitig rückwärts zu schauen, ist selbst für einen Dackel nicht einfach. Wir müssen alle lachen. Der Gendarmenpfad führt zwischen einigen Häusern hindurch und schließlich lande ich wieder am Ufer des Hørup Hav. Am Ufer liegen wieder Ziegelsteine, die jemand aufgeschichtet hatte. Irgendjemand konnte sie nicht stehen lassen, sodass das Bauwerk zerstört am Boden liegt.

HøruphavHøruphav

Es geht wieder an Feldern und Ufer entlang. Ich möchte noch eine Pause machen und denke dabei an das Bootshaus von Siegfried Lenz, das auf halber Strecke liegt. Zuvor führt mich der Weg ins Landesinnere, hinauf Richtung Mintebjerg. Dann geht es auf einer Straße wieder zurück an die Küste. Langsam wird es Zeit für das Bootshaus. Direkt an der Abzweigung nach Lebøl Løkke, wo es einen privaten Zeltplatz gibt, steht das unscheinbare Bootshaus. Es steht auf Privatgrund, aber ein freundliches Schild erlaubt den Aufenthalt für eine Pause.

Vom Boothaus nach Skovby

Bootshaus von Siegfried LenzBootshaus von Siegfried Lenz

Am Bootshaus von Siegfried Lenz stellt sich die Frage: Should I stay or should I go? Immer, wenn ich mir diese Frage stelle, gefällt mir etwas nicht. Es gibt einen schön gemähten kleinen Rasenplatz in der Sonne. Nur die Bank am Bootshaus ist etwas schmal. Ein Stückchen weiter soll es an der Mündung der Vibæk noch einen Picknickplatz geben. Eine letzte Pause am Strand lockt mich mehr als die Wand des Bootshauses.

Mündung der VibækMündung der Vibæk

Ein Feld weiter erreiche ich durch ein Stück Schilf die kleine Brücke über die Vibæk. Hundegebell hallt vom Picknickplatz herüber. Das war es wohl mit der Pause am Strand. Zwar gibt es zwei große Picknicktische, aber auch drei aufgeregte junge Schäferhunde. Ihre Besitzerin kann sie gerade so bändigen, dass sie unruhig zu ihren Füßen liegen. Da die Tische aber direkt nebeneinander stehen, gehe ich lieber weiter. Ich liege gut in der Zeit und als die Hunde außer Sichtweite sind , mache ich einfach auf dem Rasenstreifen zwischen Küste und Feld eine Pause. Ich rolle meine Isomatte aus und setze mich.

Das EndeDas Ende

Es folgen die letzten eineinhalb Kilometer an der Küste. Dann erreiche ich Kobbertoft und der Gendarmstien verlässt die Ostsee. Im Zickzack geht es nun über Feldwege nach Skovby. Um 11:30 Uhr erreiche ich das verblasste Informationsschild des Gendarmstien am Ortsrand von Skovby. Der Wanderweg endet unspektakulär. Ein Schild weist in Richtung Supermarkt und Bushaltestelle. Ich ziehe mir ein sauberes T-Shirt an und gehe den Sydvej entlang zur Hauptstraße Kegnæsvej und zur Bushaltestelle Skovby, Kegnæsvej v Skovbyvej. Der Bus nach Sønderborg fährt um 12:42 Uhr, sodass ich genügend Zeit habe, um im Supermarkt Dagli Brugsen etwas für die Mittagspause zu kaufen. Unweit des Supermarkts liegt die zweite Bushaltestelle Skovby, Kegnæsvej v Nedervej.

Das Angebot ist reichhaltig und im Eingangsbereich gibt es auch eine Kundentoilette. Einzig eine Bank zum Hinsetzen fehlt. Ich setze mich deshalb auf die Mauer an der Straße und esse mein Eis.

Von Skovby nach Flensburg

BushaltestelleBushaltestelle

Beim Blick zur Bushaltestelle Skovby, Kegnæsvej v Nedervej frage ich mich, auf welcher Seite der Bus eigentlich nach Sønderborg abfährt. Da die Hauptstraße nach Sønderborg südlich von hier verläuft, tendiere ich zu der Annahme, dass er in südlicher Richtung abfährt. In digitalen Zeiten steht oft nur noch das Schild der Bushaltestelle an der Straße, aber kein Fahrplan. Schließlich schaue ich auf Google Maps nach, wo die nächsten Abfahrten angezeigt werden. Von meiner Straßenseite aus fahren die Busse nach Kegnæs Richtung Süden, während die Busse nach Sønderborg von der anderen Seite aus fahren. Zur Bestätigung kommt auch schon der Bus 229 Richtung Kegnæs auf meiner Seite um die Ecke.

Schließlich gehe ich zum kleinen Wartehäuschen an der Bushaltestelle und kaufe mir die Fahrkarte über Sønderborg nach Flensburg in der Rejsebillet App. Ich wähle gültig ab Abfahrt und zahle 94 Kronen (12,60 €). Meine Kreditkarte hatte ich schon zu Hause in der App hinterlegt. Ich wechsel die Straßenseite, der Bus kommt pünktlich und die Fahrkarte springt beim Einsteigen auf grün um.

Sønderborg BusstationSønderborg Busstation

Als der Bus an der Bushaltestelle Sønderborg Busstation ankommt, stellt der Busfahrer den Motor ab. Es bedarf keiner Worte, um zu verstehen, dass dies die Endstation ist. Es ist ein großer Platz mit vielen Bussen, aber es gibt keine Abfahrtstafel. Ein Bus der Linie 110 kommt und hat Gråsten/Ulsnæs als Ziel. Die Richtung stimmt. Erwartungsvoll gehe ich hin und frage sicherheitshalber, ob er bis nach Flensburg fährt. Der Busfahrer weist mich auf einen anderen Bus hin, der gleich kommen soll. Ich bin nicht die Einzige, die zurückdackelt. Dann kommt der richtige 110er mit „Flensborg ZOB” als Ziel. Um 13:50 Uhr fahren wir ab. Der Bus umfährt die Klappbrücken über den Als Sund und in Egernsund. Ab Gråsten erkenne ich die Landschaft wieder. Über Sønderhav und Kollund erreichen wir Kruså und wenig später, um 15:04 Uhr, Flensburg.

Tale: Heimfahrt und Fazit

HafenspitzeHafenspitze

Da mir die Abfahrt des RE nach Hamburg für den nötigen Transfer vom Flensburger ZOB zum Bahnhof zu knapp erschien, machte ich noch einen Abstecher zur Hafenspitze, um ein Fischbrötchen zu essen. Zurück am ZOB sorgt Steig A0 für Verwirrung, da ich zwar A1, B1 usw. finde, aber nichts mit 0. Schließlich frage ich einen Busfahrer am Steig A1, der auf die Reisebusse vor mir zeigt. Zum Glück fragt er mich, wohin ich will. Als ich „Bahnhof” sage, fordert er mich auf, einzusteigen. Wenig später kommen wir am Bahnhof an. Im Kiosk kaufe ich noch etwas zu trinken. Am Gleis steht schon der RE nach Hamburg zum Einsteigen bereit.

Mit der Rückfahrt geht eine schöne Wanderwoche zu Ende. Meine geplanten Etappen waren etwas kurz, aber bei dem guten Wetter war es auch schön, einfach mal am Strand in der Sonne zu sitzen. Zum Baden war es, abgesehen vom ersten Wochenende, noch etwas zu kalt.

Der Gendarmstien ist sehr abwechslungsreich und die Informationstafeln sowie die Website liefern spannende Hintergrundinformationen zu Land und Leuten. Die Ausschilderung ist vorbildlich.

Die Zeltplätze entlang des Wanderwegs waren schön gelegen. Oft gab es Komposttoiletten und Abfalleimer. Trinkwasser konnte zuverlässig an den sauberen öffentlichen Toiletten aufgefüllt werden. Wo es keinen extra Wasserhahn gab, war ein Becher nützlich, da große Flaschen nicht unter den Hahn passten.

Mit Sicherheit war es nicht meine letzte Wanderung im nördlichen Nachbarland.

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