Am Hørup Hav entlang zum Bootshaus
Gegen 7 Uhr wache ich auf. Mit 7°C war es die zweit kälteste Nacht und so freue ich mich über die Morgensonne. Mein Plan ist es gegen 8 Uhr loszuwandern um nach einem Supermarktbesuch den Bus um 12:42 in Skovby zu bekommen. Das Zelt ist leider feucht. Ich frühstücke Müsli und erhitze mit dem Restgas Wasser für einen Becher Tee. Ich packe ein und komme tatsächlich wie geplant los. Um die leere Kartusche noch loszuwerden muss ich noch eine Extrarunde über den Platz machen. Bei meiner Nachtbarin regt sich noch nicht. Vorbei am Yachthafen erreiche ich das Häuschen des Havnemester. Gegenüber gibt es noch das Zollhäuschen, in dem eine Puppe mit der blauen Uniform der Gendarmen steht. Hier beginnt die offizielle 5.Etappe des Gendarmstien mit dem Namen Mühlenetappe.
Am Kanu- und Ruderclub vorbei führt der Wanderweg zum kleinen Strand von Høruphav. Die Grundstücke sind Privatbesitz. Ein Schild weisst noch einmal darauf hin. dass der Durchgang zu Fuß nach dem Naturschutzgesetz erlaubt ist, der Aufenthalt oder das Baden aber nicht. Am Strandende geht es auf einem schmalen weg hinauf zur Persillegade. Die Strasse Kløften ist eine Sackgasse und da ich nicht aufpasse stehe ich plötzlich in der Zufahrt eines Grundstücks. Ein paar Meter zurück und ich bin wieder richtig. Der Gendarmstien führt über eine Holztreppe hinab zum Wasser auf einen betonierten Uferweg. Kurz vor dessen Ende geht es wieder eine Holztreppe hoch und dann oberhalb des Steilufer Hørup Klint entlang. Auch diese Rasenfläche scheint eine beliebt für eine Hundegassirunde zu sein. Ein Paar mit einem Dackel kommt mir entgegen. Der Dackel mag mich gar nicht aus den Augen lassen.
Am Ende der Rasenfläche zweigt ein Weg hinab zur ehemaligen deutschen Torpedoversuchsanlage ab. Während des ersten Weltkrieges wurden hier Torpedos abgeschossen. Im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmte die deutsche Kriegsmariene das Geländet wieder und führt auf dem abgeschirmten Gelände waffentechnische Versuche mit Radar und Infrarotausrüstung durch. Heute ist nicht mehr viel davon zu sehen. Das Gelände übernahm 1958 ein ortsansässiger Handler, der in den Bunkern Munition zerlegte. Der Weg führt auf eine Rasenfläche vor die zugemauerten Bunker. Sie sind die einzigen Überreste der Station, da in den 1970er Jahren alle andere Gebäude einem Wohngebiet weichen mussten. Dr Platz ist recht schön und ein Picknicktisch lädt zum Verweilen ein.
Zurück auf dem Wanderweg treffe ich wieder auf Dackel samt Besitzer. Wieder werde ich genau beobachtet. Vorwärts gehen und Rückwärts schauen ist auch für einen Dackel nicht einfach. Wir müssen alle lachen. Der Gendarmenpfad führt zwischen einigen Häusern durch und schlieslich lande ich wieder am Ufer des Hørup Hav. Am Ufer liegen wieder Ziegelsteine, die jemand mal aufgeschichtet hatte. Irgendjemand konnt sie nicht stehen lassen und so liegt das Bauwerk zerstörrt am Boden.
Es geht wieder an Feldern und Ufer entlang. Ich möchte noch eine Pause mache und denke an das Bootshaus von Siegfried Lenz, welches auf halber Strecke liegt. Zuvor führt mich der Weg ins Landesinnern, hinauf Richtung Mintebjerg. Dann geht es auf eine Strasse wieder zurück an die Küste. Langsam wird es Zeit für das Bootshaus. Direkt an der Abzweigung nach Lebøl Løkke, wo es einen privaten Zeltplatz gibt, steht das unscheinbare Bootshaus. Es steht auf Privatgrund, aber ein freundliches Schild erlaubt den Aufenthalt für eine Pause.
Vom Boothaus nach Skovby
Am Bootshaus von Siegfried Lenz stellt sich die Frage: Should I stay or should I go? Immer wenn ich mir die Frage stelle, gefällt mir etwas nicht. Ein schön gemähter kleiner Rasenplatz in der Sonne. Nur die Bank am Bootshaus ist etwas schmal. Nur ein Stückchen weiter soll es an der Mündung der Vibæk noch einmal einen Picknickplatz geben. Noch einmal Strand lockt mehr als die Wand eines Bootshaus.
Ein Feld weiter erreiche ich durch ein Stück Schilf die kleine Brücke über die Vibæk. Hundegebällt hallt vom Picknickplatz herüber. Das war es wohl mit der Pause. Zwar gibt es zwei grosse Picknicktische, aber auch drei aufgeregte junge Schäferhunde. Die Besitzerin kann sie soweit bändigen, dass sie zu ihren Füssen liegen. Da die Tische aber direkt neben einander stehen, gehe ich lieber weiter. Ich liege gut in der Zeit und als die Hunde ausser sichtweite sind , mache ich einfach auf dem Rasenstreifen uwischen Küste und Feld eine Pause. Ich rolle mein Isomatte aus und setze mich.
Es folgen die letzten 1½ Kilometer an der Küste entlang. Dann erreiche ich Kobbertoft und der Gendarmstien verlässt die Küste. Im Zickzack geht es nun über Feldwege nach Skovby. Um 11:30 erreiche ich das blasse Informationschild des Gendarmstien am Ortsrand von Skovby. Der Wanderweg hört etwas unspaktulär auf. Ein Schild weist Richtung Supermarkt und Bushaltestelle. Ich ziehe mir ein sauberes T-Shirt an und gehe den Sydvej entlang zum Hauptstrasse Kegnæsvej. Der Bus nach Sønderborg fährt um 12:42, ich habe also genügend Zeit im Supermarkt Dagli Brugsen etwas für die Mittagspause zu kaufen.
Das Angebot ist reichhaltig und eine Kundentoilette gibt es im Eingangsbereich auch. Einzig eine Bank zum hinsetzen fehlt. Ich setze mich auf die Mauer an der Strasse und esse mein Eis.
Von Skovby nach Flensburg
Beim Blick zur Bushaltestelle "Skovby, Kegnæsvej v Nedervej" frage ich mich, auf welcher Seite der Bus eigentlich nach Sønderborg abfährt. Die Hauptstrasse nach Sønderborg liegt südlich vom hier und so ist meine erste Wahl die Fahrtrichtung nach Süden. In digitale Zeiten steht oft nur noch das Schild der Bushaltestelle an der Strasse, aber kein Fahrplan. Schliesslich schaue ich auf GoogleMaps nach, wo die nächsten Abfahrten eingeblendet werden. Von meiner gewählten Strassenseite fahren die Busses nach Kegnæs Richtung Süden. Und zur Bestätigung kommt auch schon der Bus 229 Richtung Kegnæs um die Ecke.
Schliesslich gehe ich zum kleinen Wartehäuschen an der Bushaltestelle und kaufe mir in der Rejsebillet App die Fahrkarte über Sønderborg nach Flensburg. Ich wähle gültig ab Abfahrt und zahle 94 Kronen (12,60€). Die Kreditkarte hatte ich schon zu Hause in der App hinterlegt. Ich wechsel die Strassenseite, der Bus kommt pünktlich und die Fahrkeite springt beim Einsteigen auf grün um.
An der Busstation in Sønderborg angekommen stellt der Busfahrer den Motor aus. Es braucht also keine Worte, das hier Endstation ist. Ein grosser Platz mit vielen Bussen und keine Abfahrtstafel. Ein Bus der Linie 110 kommt und hat Gråsten - Ulsnæs angeschrieben. Die Richtung stimmt. Erwartungsvoll gehe ich hin und frage lieber mal ob er bis nach Flensburg fährt. Ich werde auf einen anderen Bus verwiesen, der gleich kommen soll. Ich bin nicht die einzige, die zurückdackelt. Dann kommt der richtige 110er mit Flensborg ZOB als Ziel. Um 13:50 fahren wir ab. Der Bus umfährt die Klappbrücken über den Alssund und in Egernsund. Ab Gråsten ist mir die Landschaft wieder bekannt. Über Sønderhav und Kollund erreichen wir Kruså und wenig später um 15:04 Flensburg.
Heimfahrt und Fazit
Da mir Abfahrt des RE nach Hamburg zu knapp für den nötigen Transfer vom Flensburger ZOB zum Bahnhof erschien, mache ich noch einen Abstecher zur Hafenspitze um ein Fischbrötchen zu essen. Zurück am ZOB sorgt der Steig A0 für Verwirrung, da ich zwar A1, B1 usw finde, aber nichts mit 0. Schliesslich frage ich einen Busfahrer am Steig A1, der auf die Reisebusse vor mir zeigt. Zum Glück fragt er mich, wo ich hin will und als ich Bahnhof sage, fordert er mich auf doch einzusteigen. Am Bahnhof steht der RE nach Hamburg schon bereit.
Mit der Rückfahrt geht eine schöne Wanderwoche zu Ende. Meine geplanten Etappen waren etwas kurz, aber irgendwie war es auch schön bei dem guten Wetter einfach mal am Strand in der Sonne zu sitzen. Zum Baden war es abgesehen vom ersten Wochenende noch etwas zu kalt.
Der Wanderweg ist sehr abwechselungsreich und die Informationstafel und die Webseite geben spannende Hintergründe zu Land und Leute. Die Ausschilderung ist vorbildlich.
Die Plätze entlang des Wanderwegs waren schön gelegen und oft gab es Komposttoiletten und Abfalleimer. Trinkwasser konnte zuverlässig an den sauberen öffentlichen Toiletten aufgefüllt werden. Dort wo es kein extra Wasserhahn gab, war ein Becher nützlich, da grosse Flaschen nicht unter den Wasserhahn passen.
Für mich war es mit Sicherheit nicht die letze Wanderung im nördlichen Nachbarland.




