Rund um Kebnekaise
Rund um Kebnekaise

9. Tag: Njunni · Kaskasavagge · Kaskavaggehütte · Hängebrücke Gaskkasjohka · See P1117 am Várdu · Čievrraláhku · Čievrrajárvri

Durch das Kaskasavagge zur Hochebene Čievrraláhku

Abstieg von Njunni ins Kaskasavagge

NjunniNjunni

Trotz der relativ späten Ankunft am Vorabend wache ich früh auf. In den nächsten Tagen soll das Wetter schlechter werden. Mein Plan ist, heute von Njunni ins Kaskasavagge abzusteigen, den Gaskkasjohka mittels der Brücke bei der Notfallhütte zu queren und dann zum Pass zwischen Darfálčohkka und Darfálčorru aufzusteigen. Von dort aus will ich nach Tarfala absteigen. Da es am Darfáljávri sehr steinig ist, kann ich mich zwischen einer Übernachtung in der Tarfalastugan und dem weiteren Abstieg entlang des Darfáljohka bis zu einer Zeltmöglichkeit entscheiden. Die Strecke ist nicht so lang, aber ab der Brücke erwarten mich ein Anstieg von 675 Metern und ein steiler Abstieg von rund 400 Höhenmetern vom Pass hinab nach Tarfala. Wenn das nicht genug Motivation ist, um aufzustehen.

Blick ins GaskkasvággiBlick ins Gaskkasvággi

Ich komme heute zur Abwechslung richtig früh los, nämlich um 7:15 Uhr. Ich quere die kleine Ebene in Richtung Kaskasavagge. An der Bergflanke des Palkastak (Bálggástačorru) wird es deutlich steiniger und ich erreiche ein Geröllfeld. Dafür kann ich die ersten Berge entlang des Kaskasavagge sehen. Wieder bin ich in einer hochalpinen Umgebung mit schroffer, karger Landschaft angekommen. Zwischen Várdu und dem Kaskasatjåkka-Massiv (Gaskkasčohkka) werde ich aufsteigen. Auf der nördlichen Seite kommt der Nijbaš mit seinem großen Gletscherfeld ins Blickfeld. Ich folge den Steinmännchen und freue mich, als ich schließlich den Talgrund erblicke. Dieser ist deutlich grüner als befürchtet.

Blick ins GaskkasvággiBlick ins Gaskkasvággi

Der eigentliche Abstieg ist zwar kurz, aber steil. Meine Knie melden sich. Zum Glück lasse ich das Blockfeld schnell hinter mir und der seichte Abstieg über grüne Hänge beginnt. Ein kühler Wind weht durch das Tal. Ich halte nach der Hängebrücke und der Notfallhütte Kaskavagge Ausschau. Beide fallen im Gelände nicht besonders auf. Als ich die Hütte erspähe, sehe ich auf der anderen Seite des Gaskkasjohka ein grünes Zelt stehen.

Raststuga KaskasavaggeRaststuga Kaskasavagge

Gegen 9 Uhr erreiche ich die Hängebrücke, die sich an einer Engstelle über den Gaskasjohka spannt. Zeit für eine Pause. Ich suche mir ein windgeschütztes Plätzchen und esse etwas. Anschließend statte ich der Kaskavaggehütte einen Besuch ab. An der Tür hängt nicht nur eine Schaufel für den Winter, auch die Covid-19-Informationen haben die Zeit überdauert. Die Hütte hat zwei Holzpritschen und sieht nicht viel anders aus als die Mårmastugan. Allerdings ist eine Übernachtung hier nur im Notfall erlaubt. Im Gästebuch entdecke ich den Schweden von Tältlägret wieder. Er ist also doch nicht den Trepassleden, sondern hier entlang mit der Hochebene Čievrraláhku als Ziel gewandert. Während ich bei der Hütte bin, kommen die beiden Wanderer vom grünen Zelt über die Brücke auf meine Seite und verschwinden in Richtung Njunni.

Erste Zweifel kommen beim Aufstieg zur Hochebene Čievrraláhku

Aufstieg aus dem GaskkasvággiAufstieg aus dem Gaskkasvággi

Ich gehe zurück zum Rucksack und quere ebenfalls den Gaskkasjohka. Auf den nächsten 1½ Kilometer geht es rund 200 Höhenmeter hinauf zu dem kleinen See P.1117 an der Westflanke des Várdu. Im Hang liegt einiges an Geröll, aber der Pfad schlängelt sich auf den grünen Flecken um die Steine herum.

Ich schleppe mich den Hang hinauf und habe dabei das Gefühl, gar nicht voranzukommen. Dieses Gefühl wird durch mein Garmin bestätigt. Ich schaffe gerade einmal einen Kilometer pro Stunde.

See am Várdu hoch über dem Gaskkasvággi
See am Várdu hoch über dem Gaskkasvággi

Gegen 11 Uhr erreiche ich den See P.1117. Ein kräftiger Wind weht. An seinem Ufer wechseln sich nasse Erdflächen und Felsblöcke ab. Ich finde keinen schönen, trockenen Platz für eine Pause. Ich blicke noch einmal zurück zu den Bergen, dann passiere ich den See. Trotz des inzwischen ebenen Geländes fühle ich mich weiterhin energielos. Soll ich heute wirklich über den Pass nach Tarfala wandern?

See P.1112 südlich des VárduSee P.1112 südlich des Várdu

Ich folge den Steinmännchen und erreiche schließlich grüne Wiesen. Durch die Schneeschmelze sind diese recht feucht, aber es gibt einige ebene Plätze mit Windschutzmauern. Inzwischen kann ich den See P.1112 südlich des Várdu sehen. An einem Bach mache ich Mittagspause. Eine Entscheidung muss her. Soll ich versuchen, nach Tarfala zu gelangen, oder weiter über die Čievrraláhku wandern?

Beide Routen würden mich morgen zur Kebnekaise-Fjällstation führen. Ich koche Asia-Nudeln und Tee. Die Route über die Čievrraláhku hatte ich mir im Vorfeld nicht so genau angeschaut, aber sie ist auf meiner Fjällkarte eingezeichnet. Ich erinnere mich, dass es am Čievrrajárvri Zeltmöglichkeiten geben soll. Aktuell bin ich auf 1.140 Metern Höhe und muss noch 400 Höhenmeter bis zum Pass auf 1.554 Metern aufsteigen. Ob dieser schneefrei ist bzw. wie der Abstieg auf der anderen Seite aussieht, weiß ich nicht. Die Route über die Čievrraláhku zweigt allerdings auch erst weiter oben ab. Zudem muss ich den Weg zur Brücke über den Darfáljohka finden. Ich bin hin- und hergerissen, höre aber schließlich auf meinen Bauch. Es geht also weiter über die steinige Hochebene Čievrraláhku.

Über die Čievrraláhku-Hochebene zum See Čievrrajárvri

So richtig glücklich bin ich mit meiner Entscheidung nicht. Es fühlt sich wie eine Niederlage an. Nach der Pause steige ich weiter auf. Ich bewege mich wieder über Geröll. Geröll soweit das Auge reicht. Eigentlich müsste hier irgendwo der Weg nach Süden abzweigen, aber ich sehe nur Steinmännchen, die weiter nach oben führen. Bei 1260 Metern Höhe biege ich nach Süden ab. Vor mir erstreckt sich ein Meer aus Steinen, Markierungen sind Mangelware. Über mir thront Darfálčohkka mit großen Schneefeldern. Weiter unten ist es ebener und nicht so steinig. Dort, wo es ebener ist, sehe ich vier Wanderer mit Hund, die in die Gegenrichtung wandern. Bin ich zu weit nach oben gegangen?

Blick zurück zum Várdu
Blick zurück zum Várdu

Erst wenn ich den Bergausläufer des Darfálčohkka überwunden habe und weiter nach Süden blicken kann, werde ich wissen, ob meine Route schlecht ist. Diese Bergnase versperrt mir die Sicht und macht eine Entscheidung für eine bessere Route unmöglich. Da es keine Wegmarkierungen gibt, suche ich mir selbst einen Weg und achte dabei darauf, nicht zu viel Höhe zu gewinnen.

Govggečorru (Kåkittjårro)Govggečorru (Kåkittjårro)

Als ich den höchsten Punkt des Bergausläufers erreiche, eröffnet sich mir eine weite Aussicht nach Süden. Vor mir liegen einige Schneefelder, die sich für einen schnelleren Abstieg eignen würden. Zwischen mir und dem Čievrrajárvri liegen jedoch nicht nur einige Steine, sondern auch der Fluss vom Darfálčohkka, der laut Karte unterhalb des Darfálglaciärs entspringt. Entlang der Bäche und Seen leuchtet es mir frisch grün und damit vermutlich auch feucht entgegen. Aber auf Höhe des Čievrrajárvri sieht es auch weiter oben im Gelände nach Zeltmöglichkeiten aus.

Über die Hochebene Čievrraláhku
Über die Hochebene Čievrraláhku

Gletscherfluss vom DarfalglaciärenGletscherfluss vom Darfalglaciären

Ich kann die Schneefelder tatsächlich für den Abstieg nutzen. Sie sind noch fest genug, um gefahrlos darüberzugehen. So erreiche ich in gerader Linie den Fluss vom Darfálčohkka. Er fließt in einem Geröllbett und führt am Nachmittag ganz gut Wasser. Weiter oben ist er unter Schnee versteckt und unterhalb verzweigt er sich in noch mehr Arme. Der Hauptarm hat zu viel Wasser für meine Wanderschuhe. Ich ziehe die Crocs an und freue mich auf ein frisches Fußbad.

Hinter der Moräne verbirgt sich ein willkommenes Schneefeld, das mich weiter in Richtung Čievrrajárvri führt. Ich bin inzwischen für jeden Meter dankbar, den ich nicht über Geröll wandern muss. Es ist recht stürmisch geworden und mit dem Rucksack habe ich eine große Angriffsfläche für den Wind. Jeder Windstoß rüttelt mich durch. Endlich erreiche ich die Heideflächen am Čievrrajárvri. Auch hier gibt es zwar Steine, aber das Grün überwiegt. Am zweiten Fluss, der unterhalb des Čievrrajárvris in den Čievrrajohka mündet, suche ich nach einem Zeltplatz. Noch immer weht ein kräftiger Wind mit Böen von bis zu 42 km/h. Es dauert eine Weile, bis ich einen ebenen Platz ohne Steine und mit etwas Windschutz finde.

Bach auf der ČievrraláhkuBach auf der Čievrraláhku

Nachdem ich das Zelt entsprechend der Windrichtung aufgebaut habe, steht es wie eine Eins. Da ich die Tage zuvor erst deutlich später zum Essen gekommen bin, gibt es heute vegane Frikadellen mit Kartoffelpüree und Zwiebeln. Ich rühre die Frikadellen zum Quellen an und weiche die getrockneten Zwiebelstreifen in Wasser ein. Die Zwischenzeit nutze ich, um den Fluss zu inspizieren, den ich morgen früh queren muss. Das Wasser fließt teilweise über die Wiese. Ob der Wasserstand morgen auch noch so hoch sein wird? Ich gehe etwas hin und her, aber entweder ist der Wasserlauf zu breit oder zu tief für meine Wanderschuhe.

Abendstimmung auf der Čievrraláhku
Abendstimmung auf der Čievrraláhku

Zurück am Zelt schmore ich die Zwiebeln in Butter. Als ich die Frikadellen dazugeben will, stelle ich fest, dass es mit meinem alten Kocher einfacher war. Der Optimus Vega hatte anscheinend etwas mehr Abstand zum Topf. Ich muss den als Pfanne verwendeten Deckel immer wieder vom Soto Windmaster herunternehmen, damit er nicht zu heiß wird. Schwupp, und schon liegen die noch weichen Frikadellen mit Zwiebeln garniert auf dem Boden. Ich koche Wasser für das Kartoffelpüree und fange ich an zu retten was zu retten geht. Den Großteil kann ich essen und so werde ich doch satt.

Karte
Profil

Raststuga Kaskasavagge

Raststuga KaskasavaggeRaststuga Kaskasavagge

Die Raststuga Kaskasavagge liegt im östlichen Gaskkasvággi (Kaskasavagge). Ein Übernachtung ist nur im Notfall erlaubt.

67°58'16" N, 18°39'44" E Öffne in Lantmateriet.se Öffne in Opentopomap.org

09.2025

Seite zurück
nach oben
Seite  vor