Durch das Unna Reaiddávággi zum Stuor Reaiddávággi
Ich wache früh auf. In der Unna Räitastugan war es mit 20°C recht warm in der Nacht und ich habe nicht so gut geschlafen. Draußen erwartet mich ein wolkenfreier blauer Himmel. Die Landschaft spiegelt sich im See und ich mache ein paar Fotos und schaue mich noch einmal um.
Dann frühstücke ich und packe ein. Kurz vor 8 Uhr fege ich die Hütte, schließe die Tür und setze den Rucksack auf. Noch immer sind für den Tag Gewitter angesagt. Trotzdem nehme ich mir die Zeit, auf den Hügel hinter der Hütte zu steigen, um auf den See unterhalb der Steilwand hinabzuschauen. Diesmal habe ich Gegenlicht, aber am Vorabend war ich zu spät dran, sodass der Talgrund im Schatten lag.
Ich bin mit Rucksack aufgestiegen, in der Hoffnung, von dort oben gleich weiterwandern zu können. Oben angekommen sehe ich jedoch, dass ich mir das hätte sparen können. Der beste Weg führt wieder abwärts bis zum Seeufer. Diesmal gehe ich über das Schneefeld direkt auf die andere Seite. Die Felsrippen kenne ich bereits und gehe die gleichen Gänge zurück, die ich gekommen bin. Ich schaue das Unna Reaiddávággi entlang und blicke auf den Čeakčačohkka. Mit dem Licht im Rücken wirken die Berge und Gletscher ganz anders als gestern Nachmittag.
Während ich die Geröllwüste betrachte, die ich nun ein zweites Mal überqueren muss, fallen mir auf einem Schneefeld zwei Wanderer auf. Sie kommen mir entgegen und verschwinden hinter einer Bodenwelle. Als wir uns wieder sehen, halten wir aufeinander zu. Die beiden wollen durch das Unna Reaiddávaiggi und morgen über den Mårmapasset gehen. Sie sind heute im Šielmmávággi gestartet. Wir tauschen uns kurz aus und wünschen einander eine gute Tour. Ich komme gut voran, doch hinter mir türmen sich bereits die ersten Gewitterwolken auf. Anders als am Vortag kenne ich nun die Route. Ich passiere den See an der gleichen Stelle und steige zum höchsten Punkt auf.
Als ich die Passhöhe erreiche, höre ich das erste Donnergrollen hinter mir. Es ist noch weit weg, aber ich beschleunige meinen Schritt. Nun wandere ich an der nordöstlichen Talseite entlang. Einige Steinmännchen tauchen auf, doch ich meide weiterhin die Schneefelder. Inzwischen ist hinter mir eine große Wolke. Der Fluss neben mir verschwindet unter einem langgezogenen Schneefeld. Als ich durch das Stuor Reaiddávággi Richtung Sälka blicke, ist es dort pechschwarz, während ich vor mir noch blauen Himmel sehe.
Ich steige weiter über steiniges Gelände ab. Auch wenn es grüner wird, kann ich hier nicht zelten. So beginnt ein Wettrennen zwischen mir und der dunklen Wolke, die sich hinter mir befindet. Auch wenn ich noch keinen Regen sehen kann, wird es wohl nicht mehr lange dauern. Der Wind frischt auf und bei Sälka sehe ich einen Blitz. Ich bin schon fast unten, aber immer noch gibt es keinen geeigneten Zeltplatz. Dann fallen die ersten Tropfen. Ich sehe eine kleine Fläche und laufe darauf zu. Zu meinem Erstaunen gibt es dort eine kleine Steinmauer, weshalb hier keine Steine liegen. Ich ziehe die Regenjacke an und baue das Zelt im strömenden Regen auf. Als ich fertig bin, ist die Wanderhose klatschnass. Dafür kann ich nun eine Mittagspause im Trockenen machen. Der kleine Bach neben mir versorgt mich mit genügend Wasser. Rund zweieinhalb Stunden lang stürmt es draußen und ich bin froh, nicht mehr auf dem Geröllfeld zu sein. Asia-Nudeln, eine heiße Tasse, Schwarzbrot, Tee und Schokolade verkürzen mir die Wartezeit.
Durch das Stuor Reaiddávággi nach Nallo
Erst gegen 15 Uhr setze ich meine Wanderung fort. Der Bach neben mir ist kräftig angeschwollen. Da meine Wanderhose nass ist, wandere ich nun in der Regenhose weiter. Für mich geht es nun weiter nach Nallo. Der Wanderweg wechselt hier auf die andere Flussseite. Der Seeabfluss aus dem Reaiddájávri durch das Stuor Reaiddadággi ist auf der Karte namenlos. Im Internet findet sich jedoch der Name Stuor Reaiddájohka als Quellfluss des Visttasjohka. An der Stelle, an der die Route aus dem Unna Reaiddávaiggi den Stuor Reaiddájohka quert, sehe ich ein großes Schneefeld. Deshalb quere ich den Fluss aus dem Unna Reaiddadággi, um zur südlicheren Furt des Hauptwegs durch das Stuor Reaiddávággi zu gelangen.
Am Ufer steht eine Metallstange, und ein Damm aus Steinen führt zum anderen Ufer. Allerdings liegen die Steine größtenteils unter der Wasseroberfläche. Da sich meine Crocs für rutschigen Untergrund nicht eignen, möchte ich ungern über die Steine balancieren. Ich versuche es deshalb erst unterhalb, aber die Strömung ist mir dort zu stark. Ich breche den Versuch ab und gehe zur Furt. Ich probiere es, beobachtet von zwei Wanderern, erst einmal ohne Rucksack. Als ich in der Flussmitte bin, ruft mir die Frau etwas zu, doch das Wasser ist so laut, dass ich sie nicht verstehen kann. Allerdings weiß ich nun, dass die Furt entlang der Steinkette kein Problem darstellt. Ich gehe zurück, um den Rucksack zu holen, während die beiden weiterwandern. Als ich am anderen Ufer ankomme, drehen sie sich noch einmal um, um zu sehen, ob ich es geschafft habe.
Oben im Unna Reaiddávággi erspähe ich schon wieder blauen Himmel. In der ersten ¾ Stunde bin ich nicht wirklich weit gekommen und es wird nicht schneller. Der nächste Bach aus dem See P. 1501 ist durch den Regen angeschwollen und verlangt ebenfalls nach Crocs. Wenn ich jeden Fluss so queren muss, brauche ich noch ewig, bis ich in Nallo bin. Weiter geht es über grüne Hänge talabwärts. Das Stuor Reaiddávággi wird enger und die Hänge steiler. Ich kann immer mehr von der schroffen Südflanke des Nállu sehen.
Die Nallostugan liegt noch immer versteckt an seinem Fuß. Inzwischen fließt der Stuor Reaiddájohka weit unter mir in einem Canyon. Während ich die letzten Bäche problemlos queren konnte, stellt der Gletscherfluss vom Čeakčačohkka (Tjäktjatjåkka) eine neue Herausforderung für mich dar. Vor mir liegt ein Schneefeld, und steil unter mir liegt der Canyon mit dem Stuor Reaiddájohka. Der Gletscherfluss hat sich hier in mehrere Arme aufgeteilt, wobei die Hauptströmung im letzten Arm fließt. Vermutlich, denn der Großteil der Wasserläufe liegt unter Schnee verborgen.
Nach den schlechten Erfahrungen mit dem Schneefeld vom Vortag bin ich doppelt vorsichtig. Da der erste Arm nur wenig Wasser führt, nutze ich das Schneefeld, um zu einem Geröllhaufen in der Mitte zu gelangen. Vor mir liegt nun eine freie Rinne. Ich steige auf dem Schuttwall zwischen Schnee und Wasser auf und erreiche eine verbreiterte Stelle. Ein Steindamm liegt etwas unter Wasser und ein Seitenfluss bringt Zuschusswasser. Ich setze meinen Rucksack ab, um die Schuhe zu wechseln. Hinter mir kommen zwei junge Frauen, die mutig quer über das erste Schneefeld gehen. Da ich meine Schuhe ausziehe, gehen sie abwärts. Ich winke ihnen zu. Als sie zu mir kommen, stapfen sie wortlos an mir vorbei mit den Schuhen durchs Wasser. Ein kurzes Hej könnte man schon sagen ...
Auch ich quere, wechsel zurück in die Wanderschuhe und steige die Böschung hinauf. Von hier aus kann ich das östliche Stuor Reaiddávággi entlangschauen und ein kleines bisschen vom Visttasvággi sehen. Die Umgebung erinnert mich irgendwie an Island. Mir kommt die Schlucht Fjaðrárgljúfur in den Sinn. Ob es hier wohl auch Feen gibt? Die Nallostugan kann ich immer noch nicht sehen. Ich steige weiter ab und bewundere die schroffen, bizarren Berge und Felswände um mich herum.
Und endlich sehe ich die Hütte. Es sind nur noch etwa 500 Meter. Mir kommen Wanderer entgegen. Ich überlege kurz, ob ich hier übernachten soll. Eigentlich wollte ich bis ins Visttasvággi kommen, aber durch die lange Gewitterpause bin ich erst jetzt um 17 Uhr in Nallo. Ich beschließe noch etwas weiterzuwandern. An der Nallostugan gibt es eine breite Furt. Der Fluss vom See P. 1081 kommt aus dem Šielmmávággi herab und teilt sich hier in viele Arme, die die Hauptfurt bilden. Auch der Stuor Reaiddájohka teilt sich hier. Während das Hauptwasser östlich der Hütte entlangfließt, gibt es einen kleinen Arm, der westlich der Hütte fließt. Das ist meine erste Furt. An der Nallostugan erwartet mich die große Breite. Durch Schneeschmelze und Regen sind die Steine gut überspült. Ich überlege, ob ich es in Wanderschuhen wagen soll. Zum erneuten Schuhwechsel habe ich eigentlich keine Lust. Bevor ich mir aber morgen in den nassen Schuhen Blasen hole und hier noch lange überlege, wo es am besten geht, wechsel ich in die Cros. Die Furt ist gut ausgeschildert, aber ich kürze etwas ab und peile direkt die Markierung am anderen Ufer an.
Am Fusse des Nállu
Der Pfad führt nun am Ufer entlang unterhalb der Steilwand des Nállu. Ich möchte die Hütte hinter mir lassen und dann nach einem Zeltplatz Ausschau halten. Zwischen Berg und Ufer wechseln sich Heidekrautgewächse, Felsen und Feuchtwiesen ab. Der Fluss verbreitert sich und auf einem Holzschild steht: VAD 271 M. Vermutlich queren viele den Stuor Reaiddájohka hier und gehen nicht bis zur besseren Furt oberhalb der Stugan.
Die Hänge sind schräg und der Fluss plätschert munter durch das Tal neben mir. In der Karte ist ca. 1½ Kilometer unterhalb der Nallostugan eine breite Terrasse eingezeichnet. Dort hoffe ich, einen Platz zu finden. Der Weg ist so gut begehbar, dass ich schneller dort bin, als ich erwartet habe. Der Fluss fließt hier durch eine felsige Schlucht. Oberhalb des Weges gibt es eine Geländekante mit einem idealen Platz. Ich baue das Zelt auf und trockne meine Wanderhose in der Abendsonne. Ein leichter Wind unterstützt dabei. Während ich einen Bohnen-Kürbis-Kartoffeleintopf esse, bewundere ich auf der anderen Talseite den kleinen Gletscher am Reaiddáčohkka.


Unna Räitastugan STF
Die Unna Räitastugan im Unna Reaiddávággi (Kirunafjällen) gehört zwar zum STF Svenska Turist Foreningen, kann jedoch nicht gebucht werden. Die Übernachtung ist kostenslos. Neben zwei Holzpritschen zum Schlafen, gibt es eine Trockentoilette. Die Hütte wurde 2020 von Freiwilligen neu gebaut.
67°58'58" N, 18°27'47" E
Nallo Hütte
Lage: Kirunafjällen
Lat/Lon: 68°1'1" N, 18°23'37" E
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Anzahl Betten: 11-25
Proviantverkauf: nein
STF Nallo Fjällstuga (Betreiber: STF Svenska Turist Foreningen)
10.2025


