Rund um Kebnekaise
Rund um Kebnekaise

16. Tag: am Gaskkasnjunni · Aufstieg ins Stuor Reaiddávággi · Reaiddájávri · Aufstieg ins Unna Reaiddávággi · See P.1112 · Unna Räitastugan

Durch das westliche Unna Reaiddávággi

Aufstieg ins Stuor Reaiddávággi

Zeltplaz im TjäktjavaggeZeltplaz im Tjäktjavagge

Ich werde wach, als es im Zelt warm wird. Als ich auf die Uhr schaue, schrecke ich auf: Es ist schon 8 Uhr. Zum Frühstück gibt es heute eine kleine Portion Grießbrei und eine Scheibe Schwarzbrot mit Salami. Es schmeckt so gut, dass ich gleich noch eine zweite Scheibe esse. Heute will ich einen Abstecher ins Unna Reaiddávággi machen und ich hoffe in der Unna Räitastugan übernachten zu können. Auf das Tal freue ich mich schon seit einigen Tagen, auch wenn es über viele Steine gehen wird.

Aufstieg ins Stuor ReaiddávággiAufstieg ins Stuor Reaiddávággi

Von meinem Zeltplatz aus habe ich einen tollen Blick auf die Sälka-Berge. Nur wenige Wolken sind am Himmel, sodass es wieder ein schöner Tag zu werden verspricht. Um 10:45 Uhr beginne ich mit dem Aufstieg ins Stuor Reaiddávággi. Schon bald stoße ich auf den Weg am Ufer des Flusses. Dieser fließt hier tief in einer V-Schlucht, doch der Weg führt oberhalb über die ebene Heidefläche. Nach rund 60 Höhenmetern erreiche ich eine Stelle, von der aus ich das Stuor Reaiddávággi entlangschauen kann. Ich sehe die Berge Nallo und Šielmmáčohkka.

Durch den Stuor Reaiddávággi zum Unna Reaiddávággi

Stuor ReaiddávággiStuor Reaiddávággi

Mit Erreichen des Talgrunds wird der Boden steiniger. Als erstes muss der Fluss aus dem Tal zwischen Tjäktjahjälmen und Gaskkasnjunni gequert werden. Er teilt sich in viele Arme und ich finde auch eine Stelle um den Hauptarm zu queren. Es geht nun über Geröll an der Westflanke des Tjäktjahjälmen entlang. Der Vaktposten kommt langsam näher und nach einer Stunde erreiche ich den Gletscherfluss des Reaiddaglaciären. Auch dieser teilt sich in viele Arme, die jedoch breiter sind. Ich ziehe die Crossschuhe an und meine Füße freuen sich auf ein kaltes Fußbad.

ČeakčabáktiČeakčabákti

Die Wegmarkierungen führen weiter unten im Talgrund zum Reaiddájávri. Da ich hinter dem Vaktposten ins Unna Reaiddávággi aufsteigen möchte, bietet es sich an, bereits im Hang aufzusteigen. Laut Karte steigt man zwar an der nördlichen Flussseite auf, aber ich sehe keinen Grund, warum ich es nicht auf der südlichen Seite versuchen sollte. Insbesondere, da das Wasser vom Reaiddáčohkka kommt. Ich orientiere mich deshalb auf die östliche Seite des Talgrunds und suche mir den besten Weg. Es gibt einige Blockfelder, aber auf den grünen Flächen komme ich gut voran.

Stuor ReaiddávággiStuor Reaiddávággi

Gegen 13 Uhr quere ich einen Bach, der von der Westflanke des Vaktposten kommt und sich für eine Mittagspause anbietet. Auf flachen Felsen kann ich gut sitzen und es gibt auch etwas Windschutz. Zur Stärkung gibt es heute eine Tasse Kartoffelpüree und Tee. Anschließend beginne ich mit dem Aufstieg. Ich starte sachte, um nicht ins Geröll am Vaktposten zu geraten. Dann sehe ich vor mir ein grünes Band, das dorthin führt, wo ich hin will.

ReaiddájávriReaiddájávri

Das grüne Band führt mich nun steiler nach oben. Unten am Reaiddájávri sehe ich zwei Zelte stehen. Auf rund 1.180 Metern Höhe liegt vor mir nur noch Geröll. Der anstrengende Teil der Etappe beginnt. Ich nutze jeden Fleck Erde zwischen den Steinen. Im Zickzackkurs geht es weiter. Einziger Trost, die andere Flussseite sieht auch nicht besser aus.

Unna ReaiddávággiUnna Reaiddávággi

Rund 40 Höhenmeter weiter, kann ich Pyramiden und Knivkammen erkennen. Dahinter befindet sich die Steilwand des Nijbáš. Vor mir liegt ein Schneefeld. Dieses erweist sich als sehr unangenehm. Der Schnee ist weich und die Schneedecke so dünn, dass sie mein Gewicht nicht trägt. Ich kann es aber nicht umgehen und stapfe bei jedem Schritt fest auf, um auf den Boden zu kommen. Das funktioniert eine Weile ganz gut, aber dann trete ich zwischen zwei Felsen und knicke den Fuß um. Trotz der festen Wanderschuhe fährt der Schmerz ins Gelenk. Ich stehe da und möchte weder vor noch zurück. Es nützt nichts, ich muss weiter. Ich bin froh, als ich wieder sehen kann, wohin ich trete. Der Schuh hat mich vor Schlimmerem bewahrt.

Im Unna Reaiddávággi

Es geht weiter bergan zum höchsten Punkt des Tages. Eine Erhebung in der Talmitte bringt mich auf 1.275 m. Neben mir befindet sich ein riesiger Geröllwall, der den See unterhalb des Gletschers am Vaktposten meinem Blick entzieht. Dafür kann ich aber schon die Unna Räitastugan am See P.1112 sehen. Sie liegt still in der Nachmittagssonne. Ein Zelt sehe ich nicht, aber ob drinnen jemand ist, kann ich natürlich nicht erkennen. Solange ich niemanden sehe, kann ich hoffen, dort die Nacht verbringen zu können.

Unna Reaiddávággi
Unna Reaiddávággi

Bevor ich weitergehe, bewundere ich die Gletscher am Vaktposten. Das bläulich schimmernde Eis liegt teilweise frei und große Spalten sind sichtbar. Auf der Ebene vor mir windet sich der Gletscherfluss. Frisches Grün sprießt zwischen den Steinen und sorgt für Farbe. Ich umgehe Schneefelder und Seen auf der nördlichen Talseite. See und Hütte sind zwar hinter einer Erhebung verschwunden, aber Pyramiden und Knivkammen zeigen das Ziel an. Und das will einfach nicht näher kommen.

Unna Reaiddávággi
Unna Reaiddávággi

Weiter geht es über Geröll. Der See muss gleich kommen. Plötzlich sehe ich ihn. Ich sehe die Hütte und Hoffnung keimt in mir auf. Gleich bin ich da. Noch ein Stück, dann stehe ich am Seeufer. Doch die Hütte, die eben noch nah schien, ist immer noch fern. Das Westufer ist steil, und am Ufer liegen Schneefelder. Über Felsen passiere ich das erste. Dann befinde ich mich in einem Felsenlabyrinth. Zwischen langgezogenen Felsrippen erreiche ich das zweite Schneefeld. Weiter oben sehe ich Steinmännchen, also steige ich lieber auf. Als ich dort oben auf den Schnee treten will, höre ich Stimmen. Die ganze Zeit habe ich niemanden gesehen und nun kommt von hinten Konkurrenz um die Schlafplätze. Zumindest will ich als Erste dort sein, also beeile ich mich.

See P.1211
See P.1211

Unna Räitastugan

Unna RäitastuganUnna Räitastugan

Als ich die Tür zur Unna Räitastugan öffne, ist die Hütte leer. Wie die Mårmastugan hat sie zwei Pritschen, und auf dem Boden wäre auch Platz für eine dritte Person. Das passt also, aber die beiden Wanderer sind verschwunden. Komisch, eben waren sie doch dicht hinter mir. Nach einer Weile kommen sie den Berghang nördlich der Hütte herab. Ihre Rucksäcke sind sehr klein. Sie lehnen dankent mein Angebot zusammen in der Hütte zu schlafen ab. Es stellt sich heraus, dass die beiden Schweden nur eine Tagestour machen und unten am Reaiddájávri zelten. Ihre Zelte hatte ich beim Aufstieg gesehen. Vorerst bin ich also allein in der Hütte. Ich hoffe es bleibt so, denn es gibt zwar einen freien Platz für ein Zelt, aber der Boden ist hart.

Unna ReaiddávággiUnna Reaiddávággi

Wir schauen uns gemeinsam um. Der Seeabfluss stürzt sich eine Steilwand hinab. Der Wasserstand ist so hoch, dass die Furt nicht ohne nasse Füße möglich ist. Durch eine Felsrinne geht es dem Abgrund entgegen. Teilweise fließt das Wasser unter einer Schneebrücke hindurch. Für einen schönen Ausblick empfehlen sie mir den Aufstieg auf den Hügel hinter der Hütte.

KvivkammenKvivkammen

Gemeinsam betrachten wir den Einstieg zum Trepassleden. Er führt zwischen Pyramiden und Knivkammen entlang ins Kaskasavagge. Oben ist es sehr steil, weshalb ich nicht bereue, diese Route schon vor meinem Urlaub aus dem Plan gestrichen zu haben. Der Schwede erzählt mir, dass er den Trepassleden vor einigen Jahren gewandert ist. Er würde es nicht noch einmal machen und kann ihn auch nicht empfehlen. Sie verabschieden sich und ich richte mich in der Hütte ein.

Unna RäitastuganUnna Räitastugan

Die Unna Räitastugan wurde 2020 von Freiwilligen neu errichtet und hat die alte, baufällige Hütte aus dem Jahr 1960 ersetzt. Sie verfügt über zwei Pritschen und ein Bord vor dem Fenster, das als Tisch dient. Die Hütte gehört zum STF. Übernachtungen sind erlaubt und kostenlos. Selbstverständlich ist es, den Müll mitzunehmen und die Hütte sauber zu verlassen. Im Gästebuch haben sich regelmäßig Besucher eingetragen, jedoch weniger als in der Mårmastugan. Ich koche Nudeln mit Lachs in Sahnesoße. Der Wetterbericht sagt für morgen Gewitter zur Mittagszeit voraus. Ich werde also lieber früh starten, um bis dahin wieder im Stuor Reaiddadággi zu sein. Gegen 23 Uhr schaue ich noch einmal hinaus und gehe dann ins Bett.

Abendstimmung am See P.1211
Abendstimmung am See P.1211

Karte
Profil

Unna Räitastugan STF

Unna RäitastuganUnna Räitastugan

Die Unna Räitastugan im Unna Reaiddávággi (Kirunafjällen) gehört zwar zum STF, kann jedoch nicht gebucht werden. Die Übernachtung ist kostenslos. Neben zwei Holzpritschen zum Schlafen, gibt es eine Trockentoilette. Die Hütte wurde 2020 von Freiwilligen neu gebaut.

67°58'58" N, 18°27'47" E Öffne in Lantmateriet.se Öffne in Opentopomap.org
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