Routenwahl zum Abstieg ins Visttasvággi
Nach dem langen Tag gestern steht heute ein kürzerer Tag an. Wie kurz er wird, entscheidet sich noch, aber ich kann eigentlich ausschlafen. Um 5:30 Uhr drückt die Blase, und die Sonne scheint auch schon wieder. Ich bewundere den Šielmmáčohkka und mache ein paar Fotos, dann lege ich mich noch einmal für zwei Stunden hin.
Um 7:30 Uhr bin ich munter und stehe auf. Mein Tagesziel liegt auf der anderen Seite des Visttasvággi. Zunächst muss ich also absteigen, den Visttas über eine Brücke queren und dann zum Njunni aufsteigen. Während ich beim Aufstieg dem Pfad ins Kaskavagge folge, habe ich für den Abstieg zwei Möglichkeiten. Einerseits gibt es den Pfad zur Vistasstugan. Die andere Möglichkeit ist der direkte, weglose Abstieg ins Tal. Der Weg über die Visttasstugan ist deutlich länger, wodurch sich auch die Strecke durch den Fjällbirkenwald verlängert. Bei dem Gedanken an die vielen Mücken am Aliseatnu muss ich nicht lange nachdenken. Bevor ich jedoch eine Entscheidung treffe, möchte ich mir die Situation von oben anschauen.
Ich quere den Abfluss des Vássaloamijávri und steige so weit ab, dass ich den Flusslauf einsehen kann. Er nähert sich dem Vássajohka, der in einer engen Schlucht fließt und an beiden Seiten von einem Felsband gesäumt sein soll. In der Nähe der Brücke über den Vássajohka sollte ich auf den Wanderweg durch das Visttasvággi treffen. Der Fluss aus dem Vássaloamijávri mündet nach einer scharfen Kurve in den flachen, sumpfigen Talboden. Es sieht machbar aus, vor allem, da das Kalfjäll sehr weit heruntergeht und nur ein kurzes Stück durch den Fjällbirkenwald zur Brücke führt. Hinter einem Hügel mit dichtem Birkenbewuchs und vor der scharfen Kurve sollte ich das Ufer verlassen und mich in Richtung Vássajohka und Brücke durchschlagen. Ich gehe zurück zu meinem Übernachtungsplatz, um meinen Rucksack zu holen.
Direkter Abstieg ins Visttasvággi zum Vássajohka
Ich beginne an der linken Flussseite mit dem Abstieg. Der Fluss fließt durch eine Rinne, verschwindet unter Schneefeldern und stürzt sich über Felsstufen in die Tiefe. Immer wieder verliere ich auf den Heidekrautgewächsen den Trampelpfad, doch ich hatte ohnehin nicht mit einem so deutlichen Weg gerechnet. Nach 120 Höhenmetern erreiche ich die ersten einzelnen Birken. Ich erwarte die ersten Mücken und bin bereit, meinen Windbreaker trotz der inzwischen hohen Temperaturen anzuziehen. Zu meinem Erstaunen werde ich heute von den Blutsaugern verschont. Weiter geht es am Fluss entlang. Ich passiere die Erhebung auf meiner linken Seite.
Bei etwa 650 Metern Höhe verlasse ich den Fluss und steige nun schräg in Richtung Vássajohka ab. Ich höre bereits das Rauschen des Flusses und bin nur noch etwa 50 Meter entfernt. Das letzte Stück ist jedoch sehr unwegsam. Dafür gibt es einen Pfad, dem ich den Hang hinab folge. Neben mir geht es eineinhalb Meter steil hinunter. Es sieht aus, als würde ich auf einer bewachsenen Moräne gehen. Leider werde ich wieder nach Westen, von der Brücke weggeführt. Auf Höhe der Brücke gelingt es mir von dem Wall abzusteigen. Ich laufe nun zickzack Richtung Fluss und stehe plötzlich auf dem Wanderweg.
Obwohl ich eigentlich in die andere Richtung muss, gehe ich erst einmal zur Brücke. Nach 100 Metern erreiche ich sie. Ich setze den Rucksack ab und trinke etwas. Ich bin immer noch im T-Shirt unterwegs und freue mich über den mückenfreien Fjällbirkenwald. Auf der anderen Seite des Vássajohka wartet eine Kåta auf mich. Außerdem möchte ich mir das Felsband entlang des Vássajohka anschauen. In dem Bereich, in dem ich das Ufer erreichen wollte, ist das Felsband unterbrochen. Ich hätte also nicht über die Felsen zur Brücke absteigen können. Die Kåta ist so ein Mittelding zwischen verfallen und noch vorhanden. Zwar hat sie ein Fenster und eine Tür, aber sie ist trotz Ofen nicht wirklich in Ordnung.
Durch das Visttasvággi von Brücke zu Brücke
Ich verlasse die Hängebrücke über den Vássajohka und folge dem markierten Wanderweg in westlicher Richtung. Er steigt langsam an und führt in einem großen Bogen zum Visttasjohka. Ich quere mehrere Bäche, die vermutlich aus dem Vássaloamijávri stammen. Das Gras ist hoch und das Gelände ist, wie von oben zu erwarten, sumpfig. Einen Pfad entlang des Wasserlaufs kann ich nicht ausmachen. Auf Bretterstegen quere ich die nassen Wiesen. Das ist richtig ungewohnt, aber so komme ich schnell voran. Es gibt tolle Ausblicke auf den rauschenden Visttasjohka und die umliegenden Berge.
Nach 1,7 Kilometern erreiche ich die östliche Hängebrücke über den Visttasjohka. Sie bietet einen einfachen Zugang ins Kaskavagge und Unna Reaiddavággi. Ein Schild kündigt die Notfallhütte im Kaskasavagge nach sieben Kilometern an. Bis zur Tarfalastugan sind es 14 Kilometer. Die westliche Brücke an der Vistasstugan ist ideal für das Stuor Reaiddávaiggi und das Unna Visttasváiggi. Vom Nordufer aus kann ich weit ins Unna Reaiddávággi blicken und erkenne die Gipfel Pyramiden und Knivkammen. Zwischen ihnen liegt der erste Pass des schwierigen, hochalpinen Trepassledens. Wenn alles nach Plan läuft, werde ich in einer Woche unterhalb der Unna Räitasstugan sein.
Es ist 13 Uhr und so bietet es sich an am Visttasjohka eine Mittagspause zu machen. Die Felsen am südlichen Ufer laden zum Verweilen ein. Es gibt dort sowohl Schatten als auch Sonne und das kalte Wasser des Visttasjohka sorgt für eine kühlere Umgebung. Bei der Hitze (das Thermometer zeigt 28°C im Schatten) mag ich gar nicht mehr aufstehen und den Aufstieg auf den Bergrücken Njunni beginnen.
Vom Visttasjohka auf den Njunni
Es ist bereits halb drei, als ich mich aufraffe und weiterwandere. Ich quere den Talgrund des Visttasvággi. Flächen mit Kalfjäll, felsige Hügel und Sumpfflächen bieten einen tollen Ausblick auf die Umgebung.
Nach rund einem Kilometer macht der Weg einen scharfen Knick nach Osten. Hier steht ein Wegweiser zur Brücke. Von hier aus führt ein nicht so deutlicher Pfad nach Westen zum Unna Reaiddadággi.
Schon bald erreiche ich wieder den Fjällbirkenwald. Der nächste Kilometer führt nur leicht bergauf. Aufgrund des stetigen Auf und Ab strengt es mich trotzdem an. Zumal ich langsam nichts mehr zu trinken habe. Es ist zwar sumpfig, doch die wenigen Bäche sind ausgetrocknet. Die kleinen Pausen werden häufiger. Ich komme nur langsam dem Felsband näher und bin mir bewusst, dass ich noch deutlich höher muss. Ich habe schon aufgegeben Wasser zu finden, als ich kurz vor dem eigentlichen Aufstieg doch noch einen sprudelnden Bach erreiche und meinen Durst stillen kann. Ich lösche den Durst und Stärke mich Nüssen und einem Haferriegel. Mit neuer Energie wandere ich weiter.
Bei einer Höhe von 720 Metern erreiche ich langsam das Kalfjäll. Auch heute ist es sehr warm und schwül. Da es keine Bäume gibt, weht ein leichter Lufthauch und macht es etwas erträglicher. Ich quäle mich und meinen Rucksack weiter den Hang hinauf. Inzwischen kann ich das Visttasvággi nach Westen entlangsehen, bis es beim Unna Visttasvággi eine Kurve macht. Auf der anderen Talseite bewundere ich die Schlucht des Vássajohka und den Ort, an dem ich heute Vormittag abgestiegen bin. Trotz der schönen Aussicht nimmt der Aufstieg kein Ende.
Bei 920 Meter Höhe wird es langsam steiniger. Bei jedem Hügel, den ich erklimme, hoffe ich, dass ich oben bin. Doch der Blick auf den Höhenmesser enttäuscht mich jedes Mal. Ich muss noch bis 1.050 Meter hoch und komme nur noch langsam voran. Dann ist es endlich geschafft. Als ich den höchsten Punkt erreiche, ist das Visttasvággi allerdings bereits aus meinem Blickfeld verschwunden. Es ist bereits 19 Uhr, viel später als geplant. Vor mir liegt eine kleine Ebene. Sie wird begrenzt von der Ostflanke des Palkastak (Bálggástačorru) und einem Hügel oberhalb des Visttasvággi. Im Süden erstreckt sich das Kaskavagge in einer tiefen Schlucht. Auf der Ebene gibt es zwei Seen. Da es schon spät ist, suche ich mir jedoch einen ebenen Platz nahe des Wanderwegs.
Das Zelt ist schnell aufgebaut, das Nachlager bereitet und Wasser geholt. Ich habe Hunger, da kommen Spaghetti mit Lachs-Sahne-Soße gerade recht.


Vistas Hütte
Lage: Kirunafjällen
Lat/Lon: 68°1'52" N, 18°35'44" E
![]()
Anzahl Betten: 26-50
Proviantverkauf: nein
STF Vistas Fjällstuga (Betreiber: STF Svenska Turist Foreningen)
10.2025


