Zur Raststuga Valfojåkka
Am Morgen scheint die Sonne nach einer kalten Nacht ins Zelt. Das Thermometer zeigt 3°C als Minimum an und das Zelt ist von innen nass. Das passiert eher selten. Trotzdem habe ich gut geschlafen. Draussen herrscht Windstille und blauer Himmel vor. Welch seltener Anblick bei dieser Tour. Ideales Wetter für die Furt des Válffojohka zwischen den Válffojávrrit-Seen und das felsige Dossagemvággi. Bis zur Raststuga Stuor Kärpel am Dossagemjávri im Dossagemvággi sollte ich heute mindestens kommen. Am liebsten würde ich auch die Furt am Hoiganvággi hinter mir lassen. Der Fluss entspringt dem Dossagemjávri im Hoiganvággi (gleicher Name anderer See) und kann noch gut Wasser führen. Über Nacht habe ich fürs Fühstück Süsskartoffeln mit Apfelleder und Zimt eingeweicht.
Um kurz nach neun Uhr komme ich los. Erste Ziel ist die rund einen Kilometer entfernte Raststuga Valfojåkka. Sowohl gestern Abend also auch heute morgen hatte ich niemand dort gesehen. Ich quere den Fluss und wandere am Berghang entlang zur Notfallhütte. Das Toilettenhäuschen mit seinen seitlichen Fenstern sieht aus wie ein Kassenhäuschen. Die Raststuga hat einen kleinen Raum für Feuerholz. Im Hauptraum sind und Tisch und Bänke und für den Notfall ein Ofen. Wie immer ist alles sauber hinterlassen. Deutsche waren hier, denn auf dem Tisch liegt noch ein Ostfriesenkrimi. Von der Veranda kann ich Seeabfluss des unteren Válffojávrrit-Sees sehen. Es fliesst nicht viel Wasser über die Felsen. Wäre auf der anderen Seite nicht der steile Berghang des Tårasåive (Stuor Doaresoaivi), dann wäre ich wohl der Versuchung erlegen und hier ans andere Ufer gewechselt.
Furt am Válffojohka
Von der Raststuga wandere ich also weiter auf dem markierten Wanderweg entlang. An einem Alt-Schneefeld vorbei, erreiche ich das Südufer des unteren Válffojávrrit-See. Ein Wegweiser weist noch 25 km bis Katterjåkk aus. An der Westseite führen Winter- und Sommerweg überwiegend auf Grassoden am Ufer entlang bis sich am Nordufer die Weg trennen. Während der Winterweg hier den Seeabfluss des mittleren Sees überquert, führt der Sommerweg zur Verengung zwischen oberen und mittleren Válffojávrrit-See. Da unterhalb der Winterfurt eine Gefällestufe ist, wandere ich ohne gross zu schauen gleich weiter.
Wie erhofft ist auch an der mittleren Furt der Wasserstand niedrig. Ich schaue mich um und identifizieren gleich zwei Möglichkeiten ans andere Ufer zu kommen. Der direkte Weg führt über einen vorgelagerten Felsen ins flache Wasser. Der Abstieg ist steil und das Wasser neben dem Felsen ist tief. Soll ich da mit meinen Crocs absteigen? Zum Glück gibt es seitlich vom Felsen eine zweite Möglichkeit. Das Wasser kräuselt hier leicht. Ein deutliches Zeichen von flachen Wasser und als ich die Stelle genauer anschaue, sehe ich unter der Wasseroberfläche einen Damm aus kleinen Steinen der bis zu den grösseren Steinen am anderen Ufer führt. Der Weg ist zwar länger und ich kann die Wassertiefe an den Steinen schlecht abschätzen, aber insgesamt wirkt es auf mich leichter hier zu queren.
Ich wechsel in meine Crocs, steige zum Wasser ab und muss noch um einen Felsen herum. Dann stehe ich im ca 30 cm tiefen Wasser. Tiefer wird es nicht. Ich meide lieber die grünen Algen, aber auch zwischen den grösseren Steinen ist das Wasser flach und so komme ich problemlos ans andere Ufer. Was bei niedrigen Wasserständen leicht zu queren ist, dürfte bei höheren Wasser deutlich schwieriger sein.
Aufstieg ins Felsenmeer
Zurück in den Wanderschuhen passiere ich ein Zelt am Ufer des oberen Sees und steige langsam nördlich des Stuor Doaresoaivi auf. Mit jedem Höhenmeter werden die Grassoden weniger und schon bald geht es über den blanken Fels. Oben erwartet mich eine kleine Ebene im Felsenmeer. Ich schaue noch einmal hinab zu den türkisfarbenen Válffojávrrit-Seen. Am Oallačohkka kann ich das blau schimmernde Eis des Gletschers sehen. Die Felsen der umgebenen Berge wurden vom kontinentalen Eisschild glatt geschliffen.
Ich folge den Steinmännchen und Wintermarkierung durch die karge Landschaft. Nachdem ich einige kleine Seen passiert geht es über Blockfelder aufwärts Richtung See P 1020. Ein Blockfeld taucht auf und in der Mitte gibt es sogar einen Holzsteg. Nur muss ich den erst einmal erreichen. Der orange Farbklecks am Fels bestätigt mir, dort geht es wirklich lang. Als ich den Holzsteg mit meinen kurzen Beinen erklimme frage ich mich, ob dies wirklich die einfachste Route ist. Am Ufer des See P 1020 erwarten mich weitere Holzstege. Am Südufer sieht es sogar so aus, als ob man ein Zelt aufstellen können. Am Seezulauf mache ich Mittagspause. Endlich einmal schön in der Sonne sitzen.
Abstieg durch das Dossagemvággi
Der See P 1020 makiert das südliche Ende des Dossagemvággi. Zwischen Válffovárri und Stuor Gearbil erwartet mich ein Felsenlabyrinth mit kleinen Seen und einem Wasserlauf. Neue und alte Steinmännchen sorgen für Verwirrung. Insbesondere als ich zwischen beiden Routen auch noch einen Holzsteg sehen. Die Richtung ist jedoch klar, irgendwie mit trockenen Füssen über Felsen ans Westufer.
An einem länglichen See wird das Gelände steiler und ich muss am Ufer etwas kraxeln. Wäre die andere Seite des Sees nicht einfacher? Holzstege bezeugen aber das ich richtig bin. Über eine kleine Brücke komme ich wieder an das Ostufer. Weiterhin geben das rote X der Wintermarkierung die grobe Richtung vor und Steinmännchen mit und ohne orangen Punkt dienen der Feinjustierung. Wieder geht es eine Steilwand hoch. Bin ich noch auf einem schwedischen Wanderweg oder schon in Norwegen?
Dann stehe ich an einer steilen Schräge aus glattem Fels. Da runter soll ich? Meine innere Stimme sagt: „Mit mir nicht!”, also folge ich einem ausgetretenen Pfad nach rechts. Doch dort geht es eine Felswand senkrecht hinunter. Auch links herum ist ein kleiner See das Hindernis. Und so stehe ich wieder am Felsen und schaue hinunter. Ich erinnere mich, von dieser Stelle gelesen zu haben. Hoch wäre leichter und irgendwie möglich, aber mit dem großen Rucksack ist runter noch deutlich schwieriger. Außerdem sehe ich nicht, wo ich meine Füße in der schmalen Felsrinne setzen kann. Am Ende entscheide ich mich, den Rucksack abzusetzen und ihn hinunterzulassen. Bis zur Hälfte schaffe ich es, dann muss ich loslassen und er rutscht die Felsschräge hinunter. Rumps. Ohne Rucksack ist es für mich kein Problem mehr, abzusteigen. Der Rucksack ist unbeschadet, nur mein Händedesinfektionsmittel hat sich im Deckelfach geöffnet.
Ich folge weiter den orange bepunkteten Steinmännchen durch ein Meer von Felsen und Steinen. In der Ferne kann ich das Schneefeld am Beassetčohkka, sowie den Jiekŋačohkka (Istinden) sehen. Das Tal wird flacher und langsam grüner. Und schon bald kann ich den Dossagemjávri sehen. Ein Mann kommt mir entgegen. Es ist 16:30 und so warne ich ihn, dass er nun vor allem Felsen vor sich hat. Er ist jedoch optimistisch noch einen Zeltpaltz zu finden. Er hat eine Stunde von Stuor Kärpel bis hier her gebraucht. Damit habe ich eine ungefähre Zeitangabe. Als wir weiter gehen kommt noch eine Frau, die kaum aufblickt. Irgendwie habe ich das Gefühl die beiden gehören zusammen. Für mich geht es durch hügeliges Gelände weiter zum Dossagemjávri. Der See will irgendwie nicht dichter kommen. Und als ich ihn erreicht habe zieht es sich auch noch bis ich endlich die Rastuga Stuor Kärpel sehe.
Um 18 Uhr bin ich endlich an der Notfallhütte Stuor Kärpel. Es ist niemand da. Etwas den Weg entlang gibt es ebene Plätze, aber der Boden ist erdig. Ich setze den Rucksack ab und überlege kurz. Nach einigen Nüssen zur Stärkung wandere ich weiter. Von nun an halte ich meine Augen offen nach einem schönen Platz. Das Gelände ist weiterhin hügelig und Felsen liegen herum. Der Fluss verengt sich und fliesst eine Geländestufe herab.
Dann sehe ich einen schönen Platz am anderen Ufer eines Wasserlaufs. Auf den zweiten Blick stelle ich fest, ich bin an der Furt vom Fluss aus dem Hoiganvággi. Dieser fliesst einen Wasserfall hinab. Steinmännchen führen zu einem Platz vor der Mündung, an denen der Fluss sich in zwei Arme aufgeteilt hat. Hier finde ich es jedoch recht tief und so gehe ich wieder zurück zum Wasserfall. Unterhalb des Tauchbecken verbreitert sich der Fluß und das Wasser nicht besonders tief. Ich wechseln in meine Crocs und beginne die Furt. Das Wasser bleibt deutlich unter dem Knie.
Es ist 19 Uhr, als mein Zelt auf der Fläche an der Furt steht. Zur Stärkung gibt es einen Linsen-Katoffelpüree-Eintopf mit Tomate. Der Wetterbericht verspricht für meine letzte Etappe bis Riksgränsen weiterhin Sonne. Als das Zelt im Schatten steht wird es schnell frisch und ich gehe ins Bett. Mein Gedanken sind bei der Einkaufsliste für weitere vier Tage, in denen ich nach Abisko wandern möchte.


Raststuga Valfojåkka
Die Raststuga Valfojåkka liegt südlich der Válffojávrrit-See am Wanderweg zwischen Riksgränsen und Unna Allakas. Zelten in der Nähe der Raststuga möglich, aber Untergrund etwas feucht.
Kirunafjäll: 68°15'50" N, 18°12'39" E
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Notfallhütte
nein
nein
10.2026
Furt an den Válffojávrrit-Seen
Die Furt des Valfojåkka an den Válffojávrrit-Seen ist bei hohen Wasserständen gefürchtet und gilt als schwierig. Oft liegt im Grenzgebiet noch lange Schnee und die Schneeschmelze ist verzögert. In der Karte sind drei Stellen markiert. Über die unterste Furt
führt der Winterweg. Sie liegt direkt oberhalb einer Stromschnelle. Bei hohen Wasserständen soll die obere Furt
am einfachsten sein, jedoch bedeutet dies rund 2 km extra für die Seeumrundung. Die Steinmännchen führen zur mittleren Furt
. Hier führt der Weg am Südufer über eine erhöhte Felszunge, die steil zum Wasser abfällt. Neben den markierten kurzen Weg über Steine und an tiefen Löchern vorbei, gibt es an der südlichen Seite eine längere Möglichkeit über einen unter Wasser liegenen Steindamm.
10.2026
Raststuga Stuor-Kärpel
Die Raststuga Stuor-Kärpel liegt am nordöstlichen Ufer des Dossagemjávri. Zelten nordöstlich direkt neben dem Weg möglich.
Kirunafjäll: 68°20'0" N, 18°7'35" E
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Notfallhütte
nein
nein
10.2026
Furt Fluss aus Hoiganvággi
Der Fluss aus dem Hoiganvággi wird kurz vor der Mündung im Dossagemvággi gequert. Die Steinmännchen führen zu einer Stelle, an der sich der Fluss in zwei Arme aufgeteilt hat. Viele queren den Fluss jedoch unterhalb des Tauchbeckens eines kleinen Wasserfalls. Auch ich wähle diese Furt
.
10.2026


