2026 Nordische Grenzwege
Grenzwanderung entlang der schwedisch-norwegischen Grenze

24. Tag: Fluss vom Vássečohkka · Geargevággi · Geargejávri (Trollsjön) · Rallarvägen · Låktatjåkka E10 · Abisko Turiststation

Geargejávri

Zum Geargejávri (Trollsjön bzw. Rissajávri)

Am Morgen ist es windstill und das Zelt steht nach der stürmischen Nacht noch an Ort und Stelle. Der Wetterbericht verspricht weiterhin Regen ab Mittag. Es ist bewölkt und ein kalter Wind weht. Für mich geht es heute auf alle Fälle zum Geargejávri (Trollsjön) am Ende des Geargevággi (Kärkevagge). Eine kurze Zeit wurde der See auch in Karten Rissajávri genannt bevor er mit seinen heutigen Namen Geargejávri verzeichnet wurde. Wie es dann weiter geht werde ich sehen. Ich habe noch zwei Nächte bis zur gebuchten Hotelnacht in Absiko. Ich frühstücke Vollkornbrot mit Salami und trinke Tee. Um 8:40 ist alles trocken eingepackt und ich wander los. Der Wanderweg führt weiter an der Westseite des Geargevággi entlang.

Langsam steigt der Pfad über Wiesen auf. Auch wenn der Himmel noch recht freundlich aussieht, es weht ein eiskalter Wind von vorne und die Gipfel sind in Wolken verhüllt. Am Talende sehe ich eine Geröllwand aus grossen Felsen. Dort hinter versteckt sich der Geargejávri und ist von Steilwänden umgeben. An seiner Westseite soll ein Aufstieg über die Grassoden zum Geargečorru oder Guoblačorru möglich sein. Der Berghang sieht aber ebenfalls sehr steil aus.

Unterhalb des Geargeriehppi komme ich zu einer grossen Fläche auf dessen westlicher Seite ein Hütte steht. Ich sehe dort jemanden Wasser holen. Die Fältstugor Kärkevagge gehört zum Polarforskningssekretariatet, einer Regierungsbehörde, die die schwedische Polarforschung fördert und koordiniert. Sie unterhält auch die bekanntere Forschungshütte Latnjajaure im Latnjavággi und zwei Hütten am Nordufer des Torneträsk. Die grosse Forschungstation Abisko naturvetenskapliga station grenzt direkt an den Abisko nationalpark.

Der Pfad teilt sich hier. Ich überschreite den Fluss aus dem Geargeriehppi und folge einigen Steinmännchen an der westlichen Talseite. Ich sehe den Geargjohka an der Westseite die Geländestufer herabfliessen. An seinem Ufer geht es ein Stück hoch. Die Steinmännchen sind hier undeutlicher. Als ich eine kleine Fläche erreiche wird jedoch schnell klar hier muss ich den Geargjohka queren. Grosse Felsen versperren den direkten Aufstieg zum See. Unter ihnen sprudelt der Geargjohka hervor, der nach dem Regen gut Wasser führt. Grassoden unter Wasser zeigen Hochwasser an und so muss ich etwas suchen bis ich den Gebirgsbach mit Hilfe eines Trittsteins überschreiten kann.

Ausgetretende Pfade führen mich nun zwischen den mehrere Meter hohen Felsbrocken entlang. Es ist wie ein Labyrinth, aber die Hauptrichtung ist im Auf und Ab des Geländes einfach. Immer wenn ich denke, dort oben sehe ich endlich den See, gibt es dort nur weitere Felsen. Dann ist es soweit und ich kann kann den ersten Blick auf das dunkelblau schimmerne Wasser erhaschen. Eine Frau mit heller Pudelmütze verlässt das Ufer gerade. An den Felswändern fliessen Rinnsale hinab und sorgen für reichlich Wasser im See.

Der Geargejávri gehört zum besonders geschützen Natura 2000 Gebiet Låktatjåkka. Um das Wasser zu schützen ist das Baden in dem See nicht gestattet. Ein Verbotsschild gibt es jedoch nicht. Mir ist bei dem eiskalten Wetter jedoch ohnehin nicht zum Baden zumute, sondern ich sehne mich nach einer heissen Dusche. Bevor ich den schönen Ort verlasse betrachte ich noch ausgiebig den Osthang. Irgendwo hier soll ein Pfad hochgehen, aber bis auf einen entlang des Seeufers, kann ich nichts erkennen.

Abstieg nach Låktatjåkka

Ich folge der Frau mit der Pudelmütze. An einer aus Steinen gelegten und viel fotografierten Spirale vorbei, gehe ich nun auf dem Hauptpfad Richtung Bahnhof Låktatjåkka bzw zum Parkplatz an der E10. Ein Paar in T-Shirt und Hund kommt mir entgegen. Wirklich warm ist es nicht, aber wo ich die beiden so sehe, bemerke ich, das auf dieser Talseite der eiskalte Wind fehlt. Im Felsenlabyrinth gibt es gleich mehrere Wege. Kurz vor der Hütte wähle ich den falschen und sehe die Svensk Fjällsphinx nur aus der Ferne. Und richtig wirken tut der Fels nur aus der richtigen Perspektive.

Als ich das markante Bahnhofgebäude von Vassijaure und das östliche Ufer des Vássejávrie sehen kann, ist die Pudelmützenfrau mir weit enteilt. Weitere Tagesausflügler kommen mir entgegen. Noch immer weiss ich nicht, wohin ich nun eigentlich möchte. Um ins Nachbartal zu gelangen, würde es sich anbieten auf 650 Meter Höhe den Weg zu verlassen und an der Nordflanke des Geargečorru entlang zuwandern. Richtig Lust habe ich aber nach der letzten stürmischen Nacht nicht mehr.

Dreispurig geht es über Wiesenhänge sanft bergab. Innerlich ringe ich mit mir um eine Entscheidung. Bisher bin ich noch nie vor meinen geplanten Ziel aufgehört, aber eigentlich habe ich ja alles gesehen was ich wollte. Der Zug fährt heute nicht, aber am Abend fährt ein Linienbus die E10 entlang.

Als ich zum Parkplatz blicken kann, halte ich an und hole das Handy raus. Gibt es in Abisko für die nächsten beiden Nächte ein Bett für mich? Denn Zelten will ich dort nicht, dann kann ich auch hier in der Gegend bleiben. Die Hotelzimmer sind alle belegt. Für diese Nacht könnte ich ein Bett im Hostel bekommen, aber in der nächsten gibt es nur ein Vier-Bettzimmer in dem auch Tiere erlaubt sind. Dann kann ich also meine Zeltspinne mitnehmen. Beim Anblick des Preises ringe ich mit mir, dann buche ich für zwei Nächte das Tierzimmer. Der Spass kostet soviel wie zwei Nächte im Hotelzimmer, nur sind Frühstück, Bettwäsche und Reinigung nicht inklusive.

Ich gehe weiter, denn es soll bald wieder regnen. Das Gelände wird steiler und ich sehe die Pudelmützenfrau bereits am recht vollen Parkplatz. Als ich wieder runterschaue steht sie an der Strasse um zu trampen. Als bräuchte ich noch eine Besätigung für meine Entscheidung fangen die Knie im steileren Gelände wieder an zu schmerzen. Vielleicht nimmt mich jemand mit nach Abisko. Als ich den Rallarvägen erreiche führt der Weg nach links und nich tzum Bahnhof. Dort gibt es keinen Übergang und so werden die Wanderer zu einer Schneescooter-Brücke umgeleitet. Auf Holzbohlen nähere ich mich dem Parkplatz.

Noch ein Bach und schon stehe ich auf dem grossen Schotterplatz. Die Pudelmützenfrau ist verchwunden. Zu meiner Freude gibt es einen überdachten Grillplatz, so dass ich Regenschutz habe. Kaum habe ich meinen Rucksack abgestellt fängt es an zu nieseln. Rund 2½ Stunden bis der Bus Richtung Absiko fährt. Als eine Viertelstunde nach mir das T-Shirt-Paar mit Hund ankommt, fasse ich mir ein Herz und frage ob sie vielleicht nach Abisko fahren und mich mitnehmen können. Sie sagen sofort ja. Es sind sympathische Belgier mit Wohnmobil. Der Hund wird in seiner Box verstaut und lässt sich auch nicht vom Duft meiner Mettwurst aus der Ruhe bringen.

Die Fahrt bis zur Abisko Turiststation dauert rund 20 Minuten. Wir tauschen uns aus über das kommende Wetter und weitere Pläne. Kårsafallen haben wir beide noch auf dem Programm. Morgen Vormittag könnte es noch einmal schön werden, übermorgen soll es den ganzen Tag regnen. In Abisko verabschieden wird uns. Die beiden verschwinden im Cafe, während ich noch etwas warten muss bis ich einchecken kann. Ich nutze die Zeit um im Shop etwas zu trinken zu kaufen.

Das Tierzimmer im abgrenzenden Hostel hat zwei Doppelstockbetten und ein Waschbecken. Ich kann das Schlafsackinlet als Hüttenschlafsack benutzen. Vor allem ruft die warme Dusche. Zum Glück habe ich noch etwas Trockenshampoo und einige Seifenblättchen. Frisch geduscht, verstaue ich die Stinkesachen im wasserdichten Beutel und schaue mir die Küche an. Zu Abend esse ich dann jedoch im Bistro Storstugan der Turiststation. Salat mit geräucherten Lachs.

Karte
Profil

Abisko Turiststation STF

Abisko FjällstationAbisko Fjällstation

Die Abisko Turiststation liegt im Abisko Nationalpark direkt an der Bahnstrecke Kiruna-Narvik. Die Anlage umfasst ein Hostel und ein Hotel und ist Startpunkt des Kungsleden.

Karte Kirunafjäll: 68°21'31" N, 18°47'0" E Öffne in Lantmateriet.se Öffne in Opentopomap.org

Hütte Fjällstation Anzahl Betten 100

Strom oder USB Lademöglichkeit ja Mobilnetzempfang ja Einkaufsmöglichkeit Butik Sortiment Large

Link STF Abisko Turiststation

10.2026

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