Zur Furt am Márggojåhkå
Eine Woche bin ich nun unterwegs. Das Zeltleben ist längs wieder Routine geworden und das Packen fällt immer leichter. Auch der Rucksack ist inzwischen fast 3 bis 4 Kilogramm leichter. Ich komme schon um 8 Uhr los und steige zum am Spadnetjåhkåtja auf. Steinmännchen locken mich nach Osten dichter zum Berghang, aber dann finde ich keine mehr und lande schliesslich am Rentierzaun, bzw an dessen Pfosten. Oben angekommen geht es am Berghang des Spadnetjåhkåtja entlang. Mir kommt eine Wanderin entgegen, die sich als Deutsche herausstellt und die Nordlandsruta wandert. Erst zu Hause stelle ich fest, das wir uns auf Instragramm folgen. Wir verquatschen uns und damit ist mein früher Start quasi schon aufgebraucht. Dafür bin ich um einige Information reicher, zum Beispiel, dass es gleich eine Stelle mit Handyempfang gibt.
Ich wandere weiter Richtung Márggojåhkå und passieren einen Pfosten mit einem verblichenen Logo des Nordkallotledens. Der Márggojåhkå teilt sich vor der Mündung in den Spadnetjávrre in mehrere Arme. Ich beginne mit dem Queren der ersten Arme, aber auf dem letzten Stück wird das Wasser zu tief und die Trittsteine sind zu weit auseinander. Ich muss also doch noch die Schuhe wechseln. Schnell noch eine Kleinigkeit essen und dann geht es weiter zum Gåbddåjávrre (Kåbtåjaure).
Vom Gåbddåjávrre zur Brücke über den Noajdejávrre
Am Márggojåhkå treffe ich direkt auf einen deutlichen Pfad und steige zum Gåbddåjávrre. In der Bucht Noajdeluokta gibt es nicht nur eine Renvaktarstuga, sondern dort wo der Weg auf den See trifft auch Empfang. Am Felsen mit dem Rentiergeweih hole ich mein Handy heraus, schicke ein Foto nach Hause und rufe den Wetterbericht ab. Die Vorhersage sieht weiterhin nicht gut aus und ich versuche sie gleich wieder zu verdrängen.
Der Weg führt mich weiter am Ufer des Gåbddåjávrre. An einem Bachlauf mache ich meine obligatorische Mittagpause, heute mit Kartoffelpüree. Als es anfängt zu nieseln packe ich ein, wechsel in die Regensachen und wandere weiter. Ich folge Steinmännchen und einem deutlichen Pfad am Osthang des Noajdetjåhkkå. Dieser führt mich zu einem schönen Strand und immer weiter Richtung Stromschnellen zwischen dem Bovrojávri und Gåbddåjávrre. Auf beiden Seiten des gibt es hier einen Rentierzaun und ich muss eindeutig weiter nach Nordwesten. Irgendwie bin ich verkehrt. Das Garmin zeigt mir den Weg deutlich höher im Hang an. Vermutlich habe ich ich mich irgendwo falsch durch einen Trampelpfad leiten lassen. Wer geht schon gerne bergan, wenn es auch in der Ebene weiter geht? Was nun also? Nach der schwedisch-norwegischen Grenze kommt der eingezeichnete Weg wieder herab zum Seeufer und so beschliesse ich einfach bis dort querfeldein zu gehen. Ich steige etwas auf, da es am Ufer nasser ist.
Der Berghang des Noajdetjåhkkå wird zunehmend steiler. Irgendwo oben im Hang ist der Grenzstein Rr 252. Dann sehe ich es gelb leuchten. Ich passier noch steile Felsen, die bis ans Ufer reichen und steige dann auf. Irgendwo muss es doch ein Steinmännchen geben. Dann sehe ich das erste und dann weitere. Damit habe ich mein Ziel.
Früher führte der Weg über eine abenteuerliche Sommerbrücke über den Zufluss vom See P 716 in den Bovrojávri. Dieser rauscht an einer Engstelle über mehrere Kaskaden hinab. Ich erreiche eine Anhöhe und habe einen schönen Blick. Auch hier liegen Holfpfähle für eine neue Wegmarkierungen auf einem Haufen. Als mich der ausgetretende Pfad Richtung Kaskaden führen will, kontrolliere ich lieber gleich ob ich richtig bin. Die neue Brücke liegt weiter westlich zwischen Noajdejávrre und See P 716. Der Weg führt nach meinen Garmin weiter am Nordhang des Noajdetjåhkkå entlang. Und dann sehe ich die ersten eher unscheinbaren Steinmännchen links von mir.
Bis zum Ostufer des Noajdejávrre ist es nur noch ein kleines Stück. Eine Anhöhe versperrt mir die Sicht nach vorne und so sehe ich zuerst etwas Eis vom Gletscher Gihtsejiegŋa. Ein kalter Wind weht mir entgegen, als ich zur landenge zwischen Noajdejávrre und See P 716 absteige. Mich erwartet eine stabile Hängebrücke, die mich über den Flusslauf führt.
Zur Paurohytta
Es ist 16:30 und bis zur Paurohytta sind es noch rund geschätzte vier Kilometer. Vor mir liegt ein Höhenzug, der die Seen Noajdejávrre und Båvrojávrre trennt und überwunden werden muss. Ich sehe bereits die nächste Wolke mit Nieselregen über den Gletscher auf mich zuziehen und beginne mit dem Aufstieg. Es geht gerade hoch über Felsen und nassen Boden. Rund 50 Höhenmeter steige ich auf, vorbei an einem kleinen See und dann kann ich auch schon den Båvrojávrre sehen. Die Paurohytta liegt auf der anderen Seeseite am Nordufer. Das letzte Stück geht es über eine Landzunge ans andere Ufer. Früher musste ein Stück in der Mitte gerudert werden, aber seit 2019 führt eine Brücke über die Lücke.
Ich suche das Ufer zuerst zuweit im Westen, denn auch dort gibt es eine Landzunge. Als der Weg aber zur östlich absteigt, entdecke ich die Gebäude am Ufer. Die Hütte vor Augen, steige ich zum Båvrojávrre ab. Die Landzunge besteht aus einer Reihe von felisgen Hügeln und so geht es auf und ab. Dann erreiche ich eine Bucht mir schönen Strand, aber die stabile Brücke versteckt sich weiterhin. Von Westen droht die nächste Regenwolke mit einem Schauer und wenig Sicht.
Dann liegt die stabile Stahlbrücke vor mir und jeder der hier früher ohne Boot auf seiner Seite stand wird sie sich herbei gewünscht haben. Das Wasser ist sichtbar tief. Über einige Stufen geht es hoch und schon bin ich auf der anderen Seite, auf der ich Rückwärts die Stahlstufen wieder herunter steige. Die Hütten liegen auf der anderen Seite einer kleinen Bucht und ist zwar nah, kommt aber irgendwie auch nicht näher. Die ganze Zeit habe ich niemanden an der Hütte gesehen und es steigt auch kein Rauch aus dem Schornstein auf. Bin ich wieder alleine? Ich wähne mich schon am Strand, als es nocheinmal einen Hügel hochgeht, um eine steile Felsenwand zu umgehen. Als ich mich umdrehe sehe ich jemanden von hinten mit Siebenmeilenstifel heran fliegen. Gesellschaft ist ja auch mal nett. Aber wie es so ist, es gibt Geschichten die schreibt nur das Leben.
Ich schliesse die Hütte auf schaue mich um. Inzwischen ist die zweite Person eingetroffen und macht sich an der kleineren Hütte zu schaffen. Doch keine Gesellschaft. Wir sprechen kurz Englisch und sie sagt, sie wolle nur ihr Zelt dort trocknen. Und dann: "Wir können ruhig deutsch sprechen. Du bist Silke und wir kennen uns." Wie jetzt? Auch wenn mir das Gesicht bekannt vorkommt, aber einordnen kann ich sie nicht. Dann klärt sie mich auf. Wir haben uns vor drei Jahren am Höga Kustenleden getroffen und zu dritt drei Tage an den selben Plätzen gezeltet. Nummer drei fehlt, statt dessen kommt noch ein Schwedisch-Estnisches Paar. Alle drei sind heute an der Røysvatnhytta gestartet. Sie wandert von Trondheim nach Narvik und hatte meinen Namen im Hüttenbuch gesehen. Da ich immer noch langsam unterwegs bin, klappte es dann auch gleich mit dem Einholen.
Wir haben uns einiges zu erzählen und gehen spät ins Bett. Als ich mich noch einmal umblicke, sehe ich hinter der Gardine ein blaues Licht schimmern. Ich hatte zuvor schon die ganze Hütte nach einem USB-Ladeanschluss abgesucht. Nun kann ich endlich alles wieder Laden.


Furt am Márggojåhkå
Vor der Mündung des Spadnetjávrre teilt sich der Márggojåhkå in mehrere Arme auf. Der Fluss fließt dabei über Kies und kleine Steine. Die offizielle Furt befindet sich ca. 200 Meter oberhalb dieses Deltas. Während die Querung im Frühsommer während der Schneeschmelze schwierig sein kann, ist sie im Sommer einfach.
10.2026
Paurohytta DNT
Die Paurohytta liegt am Nordufer des Båvrojávrre.
Narvikfjellene: 68°2'56" N, 17°1'51" E
Unbewirtete Hütte (Ubetjent)
10
DNT-Schlüssel
USB-A-Ladepunkt
nein
10.2026


