Zum Gátterjávri
Wie vorhergesagt scheint am Mogen die Sonne. Sogar das Zelt ist trocken, obwohl ich gestern befürchtet hatte, das es hier am Wasserfall über Nacht feucht wird. Zum Frühstück gibt es Griesbrei. Die Sachen sind schnell gepackt und so komme ich vor 9 Uhr los. Der Wanderweg führt weiter am Dossagemjohka entlang. Interesanterweise heisst das Tal auf der norwegischen Karte Dossaganvággi, während es auf der schwedischen den weit bekannteren Namen Dossagemvággi führt. Die Grenzmarkierung Rr265 trägt aber in Norwegen den Namen Dossagemrøysa. Aber egal wie das Tal heisst, es verbreitert sich hier an der Westflanke des Dossagemváráš.
Der Weg schlängelt sich über Heideflächen und glatte Felsen am Dossagemjohka entlang. Der Fluß vom nördlich gelegenen See lässt sich einfach überschreiben. Am nächsten Wasserlauf gibt es die Rester einer einfachen Holzbrücke. Inzwischen ist die Brücke unter Steinen begraben und hält diese zum Überschreiten an Ort und Stelle.
Während sich an der Ostflanke des Branten (Sládjočohkka) der felsige, aber sanfte Berghang Dossageapmi befindet, wird es auf der Ostseite des Dossagemjohka steiler. Der Weg schlängelt sich zwischen Ufer und Steilhang entlang. Dort, wo vor mir der Gátterjávri liegt, steigt Nebel auf. Dann kehre ich ein letztes Mal bei dieser Wanderung für rund einen Kilometer nach Norwegen zurück. Das bereits bekannt gelbe Schild steht neben dem Weg. Vor mir kommt hinter der Bergflanke des Branten der Gátterčohkka in Sicht. Weiterhin steigt aus dem davor liegenen Tal mit dem Gátterjávri Nebel auf, ansonsten überwiegt der blaue Himmel.
Über Wiesen nähere ich mich einer engen Schlucht. Nachdem bei einem Felssturz eine Frau unter Felsen begraben wurde, führt der Weg nicht mehr durch die Engstelle. Ein Wegweiser nach Katterjokk zeigt nördlich der Grenzmakierung Rr 265A die Steilwand hinauf. Im Zickzack geht es steil, aber ohne Handeinsatz, hoch. Im kleinen Pass zwischen den Felsen geht es zurück nach Schweden. Dann kann ich endlich über den Gátterjávri blicken. Der Wolkennebel ist fast verschwunden. Die Höhenmeter, die ich eben hoch musste, geht es nun nicht weniger steil wieder hinab. Über eine grosse Wiese geht es wieder zum Dossagemjohka, der wenig später in den Gátterjávri mündet.
Für mich geht es nun am Ufer des Gátterjávri zum Seeabfluß am Nordende des Sees. An einem kleinen Strand macht ein Wanderer mit Tourenrucksack und Hund Pause. Seit Unna Allakas habe ich immer wieder Pfotenabdrücke gesehen, bei denen ich mir nicht sicher war, welches Tier es war. Nun sehe ich den Verursacher. Über den See kann ich die Gipfel von Sildviktind und Beisfjordtøtta sehen. Und dann stehe ich das erste und einzige Mal an einem Wegweiser nach Riksgränsen. Noch vier Kilometer werden mir versprochen. Hier steigt eine Route hinauf zum Láirečorru und hinab ins östliche Nachbartal Vássevággi.
Am Seeabfluss erwarten mich eine Brücke und die private Katterjaurestugan. Die Hütte gehört dem Svenska Fjällklubben und ist nicht öffentlich. Im zweiten Weltkrieg waren in der Hütte schwedische Soldaten stationiert. Sie beobachteten die deutschen Stellungen auf dem Gátterčohkka (Nordalfjäll), sowie einfache Verbindung nach Norwegen am Nordufer des Gátterjávri. Für mich geht es erst einmal weiter Richung Katterjåkk. Ich quere den Gátterjohka über die Hängebrücke und bewundere einige Nester auf dem Trittrost. In einem liegen sogar noch zwei grünbläuliche Eier. Vögel sehe ich jedoch keine. Es könnten Ringdrosseln sein, die sich diesen luftigen Ort zum Brühten ausgesucht haben.
Abstieg durch die Apelsinklyftan nach Riksgränsen
Von der Hängebrücke geht es auf einem schmalen Pfad oberhalb einer Schlucht am Gátterjohka entlang. Ich suche mir einen Platz mit Windschatten und mache eine Pause. So in der Sonne lässt es sich wirklich aushalten. Aber heute gibt es keine lange Pause, der Supermarkt in Riksgränsen ruft. Ich raffe mich auf und folge dem Pfad, der wenig später auf einen breiteren Weg einmündet. Im Tal sehe ich das Wasser des Vássejávri. An der Bergstation verlasse ich den Weg, denn ich habe mich entschieden nicht über Katterjåkk nach Riksgränsen zu gehen, sondern am Berghang des Gátternjunni entlang durch die Apelsinklyftan.
An der Bergstation steht kein Wegweiser. Dafür gibt es ein WC auf 601 m.H. Es handelt sich um ein geräumiges Plumpsklo. Der Weg hinauf zur Bergstation des Katterjåkksliften führt entlang eines aufgewühlten Matschwegs. Ich umgege die Schlanngrube grosszügig. Dann folge ich dem Fahrweg aufwärts Richtung Felsrinne. Oben an der Bergstation endet der bereite Weg und ich folgen verblassten Farbklecksen. Der schmale Weg ist deutlich. Dieser Teil wird Apelsinklyftan genannt. Nicht weil er wie eine Apfelsine aussieht, sonder da man dort in den 1930s und 1940s der Sonne liegen konnte, um exotische Orangen zu essen.
Der Weg führt mich wieder auf glatte Felsen und dann stehe ich vor einer Steilkante. Zu hoch für mich. Ich steige lieber wieder ein ganze Stück zurück und kann das Hindernis auf dem nächsten Felsenstrang umgehen. Inzwischen habe ich Handyempfang. Ich mache Pause und rufe den Wetterbericht ab,. Wird es so bleiben. Schliesslich will ich über die Berge nach Abisko. Die Vorhersage ist eine Enttäuschung. Ab morgen wird das Wetter wieder schlechter. Aber wer glaubt schon den Wetterbericht.
Der Weg führt nun über blanke Felsen am Hang entlang und ich kann mein Ziel sehen. Wieder muss ich an Lawinenverbauungen eine Steilwand runter, hier gibt es jedoch eine neue Holzleiter. Ich lande im Hinterhof einer geschlossenen Westernranch, die sich als ehemalige Fjällstugan herausstellt. Riksgränsen hat sich vor allem auf den Wintertourismus konzentriert und für Wanderer gibt es keine günstige Unterkunft mehr. Das Hotell Riksgränsen und die Meteorologen Summer Lodge sind hochpreisig, das STF Riksgränsen Vandrarhem gehört genauso wie die Fjällstugan der Vergangenheit an.
Ich folge dem Riksgränsvägen. Unter der Bahn hindurch erreiche ich das Hotell Riksgränsen. Hier sehe ich einen Wegweiser zum Rallarvägen, auf dem ich später weiter wandern möchte. Zuerst aber geht es die Strasse weiter hinab zum Supermarkt. Unterwegs werde ich an einem Matallcontainer meine leere Gaskartusche los. An sieben Tagen die Woche kaufen im ICA Nära Riksgränsen vor allem Norweger ein. Die Bushaltestelle Riksgränsen vändplan liegt gleich nebenan. Den Rucksack deponiere ich (wie auf einem schwedischen Schild an der Tür erwünscht) im Laden hinter der Kasse. Dies ist sinnvoll, denn im Laden gibt es Gedrängel, da viele etwas ziellos ihre Wagen durch die engen Gänge schieben.
Das Einkaufen gestaltet sich schwieriger als gedacht. Vieles gibt es nur Grossverpackungen. So wird Pasta überwiegend in 1 kg Packungen verkauft. Es wird also Penne mit 500g reicht es für drei Mahlzeiten. Tomatensauce hatte ich bereits von zu Hause mitgenommen. Vollkornbrot, Scheibensalami und Philadelpia fürs Frühstück. Husman Knäckebrot, Schokoloade, Salami und ein Nussmix für untergwegs und für gleich eine Cola. An der Kasse entdecke ich noch einen Sicherheitsschrank mit Gaskartuschen. Es gibt 300g und 450g Outfit Kartuschen mit Schraubgewinde. Draussen setze ich mich an einen Picknicktisch und packe meine Sachen um. Die Cola schmeckt gruselig und ich entdecke, dass ich im Gewühl zur Zero-Variante gegriffen habe. Das Wetterbericht für die nächsten Tage verspricht weriterhin eher stürmisches Wetter. Nachdem ich Verpackungen und Müll von der Wanderung entsorgt habe, verabschiede ich mich vom Ort.
Auf dem Rallarvägen von Riksgränsen zum Vássejohka
Auch wenn das Wetter nicht gut werden soll, ich will diesmal auf alle Fälle zum Trollsjön. Dazu will ich auf dem Rallarvägen nach Vassijaure wandern und von dort zum See aufsteigen. Von dort kann ich weiter wandern oder mit dem Bus von Rallarvägen aus nach Abisko fahren. Schwer bepackt steige ich den Riksgränsvägen wieder hinauf zum Hotell Riksgränsen. Hier folge ich dem Wegweiser am Gebäude entlang zum Rallarvägen.
Der schmale Materialweg wurde für den Bau der Malmbanan um 1900 angelegt. Er folgt damit überwiegend der Bahnlinie und verspricht dadurch wenig Gefälle. Ich hatte mir im Vorfeld den Rastplatz am Vássejohka als Übernachtungsplatz ausgesucht. Dort hoffte ich auf eine Zeltmöglichkeit und Trinkwasser.
Schnell lass ich Riksgränsen hinter mir. Zwei Frauen kommen mir entgegen, die in Låktajåkka für eine Tageswanderung gestartet sind. Unten am Tal kann ich einen Platz mit Wohnmobilen sehen. An der Zufahrt liegen die Katterjokk Apartments. Der Weg schlängelt sich weiter am Hang entlang. Ein e Brücke über den Gátterjohka kommt in Sicht. Wenig später stehe ich vor der Katterjåkk Turiststation, die der Frilufts Främjandet gehört. Es schliesst sich der Bahnhof Katterjåkk an. Einen Weg zur Brücke kann ich nicht finden. Da ich über die Eisenbahnbrücke nicht gehen kann, gehe ich zurück. An einem Neubau neben der Turiststation finde ich auf den zweiten Blick den Weg. Auf der anderen Seite informiert ein verblasset Schild, dass dieser Teil des Rallarvägen 1898 fertig gestellt wurde, um Material mit Pferdekarren zur Baustelle zu bringen. Durch diese Massnahme konnten Teilabschnitte der Eisenbahnlinie parallel gebaut werden.
Der Weg steigt etwas an und führt mich auf eine Ebene mit Heidekrautgewächsen. Blaubeerpflücker mit vollen Eimer kommen mir entgegen. Ich habe einen schönen Blick Richtung Gátterjohka.
Zu meiner Überraschung fährt ein Güterzug mit Eisenerz und zwei Lokomotiven vorbei und ein lautes Warnsignal ertönt. Für den Nachtzug gibt es zwischen Narvik und Gällevare einen Schienenersatzverkehr und so habe ich nicht mit Zugverkehr gerechnet. Zwischen mehreren Sedementhügeln versteckt sich der Rastplatz am Vássejohka. Ein Trockentoilette und eine Schutzhütte mit Feuerstelle stehen direkt an der Fussgängerbrücke. Der Vássejohka flisst hier in einer tiefen Schlucht. Der erste Blick sagt mir: Wasser wird schwierig ist aber erreichbar. Einen ebenen Platz gibt es vor der Toilette, auch nicht so schön. Ich beschliesse mein Glück etwas oberhalb zu versuchen, denn dort hatte ich eine Feuerstelle auf einer der Erhöhungen gesehen. Von der Feuerstelle gehe ich wieder zum Ufer und kann dort recht einfach meinen Platypus füllen. Anschliessend erklimme ich den Hügel südlich des Rastplatz und stelle auf der ebenen Fläche das Zelt auf.
Zum Abendessen gibt es keine Auswahl mehr, sondern nur noch Penne all’arrabbiata. Dafür endlich Vaniellepudding mit frischen Blaubeeren zum Nachtisch. Wieder fährt dröhnend ein Güterzug vorbei. Eine Nacht, das werde ich schon aushalten.


Katterjåkk Turiststation
Die Katterjåkk Turiststation liegt direkt an der Bahnstrecke Kiruna-Narvik neben dem Bahnhof Katterjåkk. Sie wird vom Friluftsfrämjandet betrieben.
Kirunafjäll: 68°25'11" N, 18°9'44" E
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Fjällstation
70
ja
ja
10.2026
Rastplatz Vássejohka
Der Rastplatz am Vássejohka
liegt am Rallarvägen an der Brücke über den Vássejohka unweit der Bahnstrecke Kiruna-Narvik.
Windschutz mit Tisch und Bänken
Feuerstelle
Trockentoilette
ja
10.2026


