Kårsafallen im Abisko Nationalpark
Meine urspüngliche Planung sah vor, durch das Gorsavággi (Kårsavagge) nach Abisko zu wandern. Ich wollte diesmal nicht direkt zur Turiststation, sondern über den Wasserfall Kårsafallen gehen. Es gibt dort nicht nur einen schönen kleinen Wasserfall, sondern auch eine Brücke über den Gorsajohka. Nachdem die Brücke an der Nationalparkgrenze abgebaut wurde, ist dies die einzig verbleibene Möglichkeit trockenen Fusses über den Fluss zukommen. Nach einigen Berichten soll es einen Trampelpfad am Südufer des Gorsajohka durch den Birkenwald geben. Nachdem ich schon am Vorabend nach Abisko gekommen bin, möchte ich zum Wasserfall als Tagesausflug wandern.
Nach dem Aufstehen frühstücke eine Scheibe Vollkornbrot. Ich verzichte auf den Tee und trinke stattdessen den Orangensaft aus. Erst spät kommt mir der Gedanke, das ich heute Mittag das Lunchbuffee für 185 SEK essen könnte. Für das Abendessen habe ich eigentlich noch genügend Brot. Ich wechsel noch einmal in die dreckigen Wandersachen und mache mich auf den Weg.
Von der der Absiko Turiststation gehe ich zum modernen Tor des Kungsledens. Vorbei am Abisko Gränsförsvarsmuseum, das nur am Wochenende offen hat, erreiche ich den Abiskojåkka. Von samischen Klängen begleitet geht es durch die Unterführung von Eisenbahn und E10. Statt dem Kungsleden am Canyon entlang zu folgen quere ich den Fluss auf dem Fahrweg zur Talstation. Von hier habe ich einen schönen Blick in der nördlichen Canyon. Direkt nach der Brücke weist der Wegweiser nach Kårsafallen in den herbstlichen Birkenwald. Der Wanderweg führt zuerst in der Nähe des Abiskojåkka entlang. Vor zwei Jahren hatte ich in diesem Wald eine Elchkuh mit zwei Kälbern gesehen und so halte ich meine Augen offen.
Elche sehe ich nicht, aber es gibt schöne Ausblicke auf die Abisko-Alperna. Als ich mich dem Kårsafallen nähere kommen mir die beiden Belgier entgegen. Sie sind schon auf dem Rückweg und wollen nun weiter ins Gorsavággi aufsteigen. Ein kleine Stück noch und ich stehe an der Brücke. Der Gorsajohka fliesst hier über einige Felsen durch einen kleinen Canyon. Auf der anderen Seite gibt es einen Platz für eine Pause. Ich steige einen Hang hoch und treffe auch eine ehr selten gegangenen Trampelpfad. Ob er wirklich bis zur anderen Brücke führt ist nicht erkannbar, aber es wäre möglich durch den lichten Birkenwald zu gehen.
Ein Blick auf die Uhr lässt mich aufbrechen. Ich habe vergessen zu schauen, bis wann es Lunch gibt und es ist schon 11:15Uhr. Ich gehe auf dem gleichen Weg zurück. War ich beim Hinweg noch fast alleine, kommen mir nun einige Wanderer entgegen. Um 12:30 Uhr bin ich wieder im Zimmer und tausche zum letzten Mal die dreckige Wanderkleidung gegen saubere. Dann gehe im zum Lunchbuffet, welches es von 11:30 bis 14:00 im Restaurang gibt. Ich habe also genügend Zeit zu Mittag zu essen.
Den Nachmittag verbringe ich mit Lesen. In meinem Mailfach finden sich zwei Nachrichten. Der Nachtzug fährt erst ab Abisko Östra und die Deutsche Bahn verlängert meine Rückfahrt, indem ich ab Padborg dreimal Umsteigen muss und dann auch in Hamburg Altona statt Hauptbahnhof endet. Damit ist die Zugbindung aufgehoben, aber eine wirkliche Alternative habe ich nicht. Komme ich da etwas später an, bleibt nur der Nachtbus um nach Hause zu kommen. Am Nachmittag gehe ich zur Abfahrt des Ersatzbusses, um zu schauen, ob er wirklich dort abfährt, wo ich denke. Er ist pünktlich und hält an der E10..
Regentag in Abisko
Für Dienstag ist Regen angesagt. Ich muss bis 10 Uhr auschecken und den Raum vorher sauber machen. Ich frühstücke im Raum und mache sauber. Es steht im Putzraum sogar eine Staubsauger bereit. Nach dem auschecken setzte ich mich in die Lobby. Draussen regnet es Bindfäden und ich bin froh nun ncht mein Zelt einpacken zu müssen. Statt dessen zitze ich im trockenen, vervollständige meine Notizen und lese. Mein Programm besteht nur aus Mittagessen und um 15 Uhr ins Hotelzimmer einchecken. Und irgendwie geht die Zeit um.
Mein Zimmer liegt im 2ten Stock. Statt voll ausgestatteter Küche wie im Hostel gibt es Tee und Kaffee und einen kleinen Wasserkocher. Flauschige Handtücher und Flüssigseife sind auch vorhande, sodass ich nicht mehr mein Minihandtuch und die Outdoor-Blättchenseife verwenden muss. Nach soviel Inaktivität habe ich am Abend keinen Hunger. Eigentlich hatte ich vor einen Burger im Bistro zu essen, stattdessen koche ich Wasser und esse noch einmal Asia-Nudeln. Ich packe meinen Rucksack für die Rückreise und mache mich lang. Ich lese noch eine ganze Weile. Schlafen tue ich deutlich schlechter als im Hostel, denn die Lüftung dröhnt.
Mit dem Nachtzug nach Stockholm
Nach dem Frühstück checke ich aus und setze mich wieder in die Lobby der Turiststation. Stand gestern noch der Ersatzbus auf der Anzeigentafel, ist sie heute leer. Die Änderung ist kurzfristig, aber ein wirklich gutes Gefühl habe ich nicht. Um 11 Uhr kommt der Nachtzug Richtung Narvik. Er fährt zwar durch, kann aber in Abisko Turisttation wegen Bauarbeiten am Bahnsteig nicht halten. Es soll deshalb einen Ersatzbus nach Abisko Östra geben. Ich schaue lieber nach und der Bus kommt recht spät. Zu spät für meine Nerven. Da mein Zug erst um 16 Uhr fährt entschliesse ich mich am Nachmittag bis nach Östra zu gehen.
Nach einer kleinen Runde zum Canyon gehe ich noch einmal zum Lunchbuffet. In der Nachtzug steige ich erst gegen 22 Uhr in Boden C und erfahrungsgemäss gibt es dann eine lange Schlange im Zug-Restaurant. Um 14:30 schulter ich ein letztes Mal meinen Rucksack und mache mich auf nach Abisko Östra. Ich mache einen Zwischenstop in den Godisfabriken Abisko um Reiseproviant zu kaufen. Neben einer grossen Süssigwarenabteilung gibt es auch normale Lebensmittel.
Am Bahnhof Abisko Östra gibt es neben dem histroischen Bahnhofsgebäude mit Umspannwerk auch einen modernen Wartebereich beim Aufgang zu den Gleisen. Im Erdgeschosse ist eine Toilette. Es treffen noch mehr Wanderer ein, die lieber zu Fuß gegangen sind, aber auch der Schienenersatzbus von der Turiststation kommt pünktlich. Etwas verspätet kommt der InterCity 99 aus Narvik an. Dieser bringt uns nach Noden, wo die meissten Passagiere in den Nachtzug nach Stockholm umsteigen.
Pünktlich in Boden, warten wir auf die Ankunft des Nachtzug aus Luleå. Der Bahnsteig ist voll und niemand weiss wo welcher Waggon hält. Ich habe diesmal ein 1.Klasse Schlafwagenabteil für mich alleine. Diese Nacht hat mich durch frühes buchen weniger als die Nächte 2ter Klasse bei der Hinfahrt gekostet. Das Abteil hat eine eigene Toilette und Dusche. Allerdings hört man das Aufziehen vom Nachbarn. Dadurch, dass ich alleine bin, kann ich den Rucksack einfach in die Ecke stellen. Ankunft in Stockholm ist 10:13. Ich schalfe sehr gut, während ich Stockholm entgegen schaukel. Um 7:30 stehe ich auf, dusche und gehe ins Restaurant um mein Frühstück abzuholen. Diese ist in der ersten Klasse im Ticketpreis enthalten.
Auch die Dänen können Deutsche Bahn
Pünktlich in Stockholm angekommen verbleiben mir zwei Stunden bis der SJ Snabbtåg nach Malmö abfährt. Ich gehe in den Coop und kaufe ein paar kulinarische Mitbringsel und etwas Reiseproviant ein. Dann kaufe ich noch einen kleinen Burger zum Mittagessen, auch wenn ich noch nicht hungrig bin. In Malmö komme ich pünktlich an und schaffe einen Öresundståg früher, der mich nach Kopenhagen bringt.
In Kopenhagen kaufe ich im Bahnhof noch seelenruhig eine Pizza und gehe dann zum Gleis. Dort fährt aber kein Zug und an der Anzeigentafel gibt es auch nichts mehr nach Hamburg. Panik steigt in mir auf.
Ich gehe ins Reisezentrum und schon am Eingang sagt man mir, der Zug fahre heute nicht. Gestrandet in Kopenhagen. Das komische ist, ich kann immer noch eine Sitzplatzreservierung buchen, für einen Zug den es nicht mehr gibt?
Ich bin nicht die einzige, die nach Hamburg will. Nach etwas Aufregung, auch hinter dem Schalter, bekomme dich die Auskunft, ich solle mit dem Zug Richtung Esbjerg fahren und in Kolding aussteigen. Von dort gibt es einen Ersatzbus, der Nonstop nach Hamburg fährt. Abfahrt am selben Gleis nur etwas später. Inzwischen steht die Informatin auch an der grossen Anzeigentafel. Der Zug ist voll, aber ich schaffe es einen Sitzplatz zu ergattern. Meine dänische Sitznachbarin zeigt mir die App MitTog, in der die aktuellen Bahnhofsabfahren angezeigt werden. Während in der normalen Auskunft der Zug noch fährt, wird dort in Kolding der Ersatzbus angezeigt. Abfahrt vorm Bahnhof.
In Kolding sammelt sich eine kleine Schicksalsgemeinschaft auf dem dunklen Bahnhofsvorplatz. Ich frage lieber eine Taxifahrerin, die uns zur Haltestelle vorm Hotel Saxildhus lotst. Und tatsächlich fährt um 21 Uhr ein moderner Reisebus mit dem Ziel togtrafik vor. Rund 250 Kilometer sind es bis zum Hamburger ZOB. Der Bus ist mir viel lieber, als die Alternativverbindung im DB-Navigator. Um Mitternacht kommen wir an und eine halbe Stunde später bin ich zu Hause. Mit den fast 20 € Ersattung, hat mich mich das Europaspezialticket der DB von Stockholm nach Hamburg rund 40 € und etwas Stress gekostet.
Fazit
Eine regenreiche Wanderung geht zu Ende. Trotzdem hatte ich viel Glück und dort gutes Wetter gehabt, wo ich es benötigte. Zudem bin ich jeden Tag gewandert und habe ich mein Ziel Riksgränsen und den Trollsjön erreicht. Die Planung mit 11 Kilometern im Tagesschnitt hat für mich gepasst.
Die DNT-Hütten habe ich öffters als geplant aufgesucht. Sie sind mit 25€ pro Übernachtung bzw 5€ für den Tagesbesuch sehr günstig. Das System basiert auf ehrenamtlicher Arbeit und Ehrlichkeit beim Bezahlen. Einen Eintrag im Hüttenbuch und über die DNT-App bezahlen ist wirklich einfach.
Das Stück Querfeldein zwischen Vuolip Čoarvejávri und den Luoktekjávrrit, sowie entlang auf dem ehemaligen Kungsleden hat mir gut gefallen.
Cool wenn man Mitten in der Landschaft alte und neue Bekannte tifft. Die Welt ist einfach klein!


Abisko Turiststation STF
Die Abisko Turiststation liegt im Abisko Nationalpark direkt an der Bahnstrecke Kiruna-Narvik. Die Anlage umfasst ein Hostel und ein Hotel und ist Startpunkt des Kungsleden.
Kirunafjäll: 68°21'31" N, 18°47'0" E
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