Abstieg nach Unna Allakas
Morgens hängen die Wolken tief über dem Hochplateau Snárapláhku und im Zelt ist es klamm. Der eiskalte Wind hat nachgelassen, auch wenn ich ihn nun zum Vertreiben der Wolken gut gebrauchen könnte. Ich drehe mich noch einmal um. Als icc wieder aus dem Zelt schaue, huscht eine Gruppe Rentiere vorbei und schaut aus sicherer Entfernung noch einmal zurück. Ich trockete nach Zelt sogut es geht ab, frühstücke Porridge und trinke Tee. Die Wolken heben sich langsam und so packe ich ein und komme um 10 Uhr los. Bis zur Unna Allakasstugorna sind es noch rund vier Kilometer.
Ich passiere den Stuor Allagas und steige dann steil ab ins Tal zwischen Stuor und Unna Allakas. Die herbstlichen Farben kündigen das Ende der Wandersaison an. Die dunklen Wolken lassen die Berge auf der Gegenseite des Gámavuopmi-Tals düster erscheinen. Dort am Berghang liegt irgendwo Sjangeli mit seinen Kupfergruben. Die Gruvstuga steht genau gegenüber, aber ich kann sie nicht ausmachen. Das Eis des Sealggajiekŋa am Storsteinsfjellet lässt sich kurz sehen, dann zieht die nächste Wolke davor. Im Talgrund angekommen geht es durch Weidengestrüpp und Heidekraut Richtung Allgasjávri. Drohend kommt eine Regenwolke auf mich zu. Sie nimmt mir zwar die Sicht auf die vor mir liegenen Berge, aber zieht vor mir vorbei. Einen kurzen Blick auf den Goržžijohka kann ich erhaschen. Dort wäre ich bei guten Wetter wohl abgestiegen, nun bin ich froh mich anders entschieden zu haben. Ich quere den Seeabfluss über eine Brücke. Am anderen Ufer hätte es sogar einen kleinen Platz fürs Zelt gegeben, aber schön ist es direkt neben dem Weg auch nicht.
Ein kurzer Anstieg und ich kann das Gámavuopmi entlang blicken. Im Westen liegt in Norwegen der Čunojávri, während sich die Unna Allakasstugorna noch versteckt. Mich interessiert aber mehr die Gegenseite, wo ich nach Sjangeli aufsteigen will. Als Orientierung dient der Ruovssokjohka, den ich queren und dann am Berghang entlang aufsteigen werden. Ein letzten Abstieg an der Bergflanke des Unna Allakas und ich kann die roten Häuser der Unna Allakas Hütte sehen.
Während des zweiten Weltkiegs war die Hütte auf schwedischen Boden einer von vier Stützpunkte der Operation Sepals der norwegischen Widerstandsbewegung, während die schwedische Arme die Lage von Sjangeli aus beobachtete. Mit Unna Allakas sind die Kupferminen entlang der schwedische norwegischen Grenze erreicht. Während Sjangeli das ertragreichste Abbaugebiet wurde, kamen Unna Allakas und Valfojåkka über Probebohrungen und kleine Schürfe nicht hinaus. Direkt vor der Hütte passiert der Wanderweg so eine offene Grube. Steinmauern und Werkzeuge deuten auf die Abbauaktivität. Wer genau hinschaut, kann an einigen der Stein durch den Luftsauerstoff oxidiertes grünliches Kupfer sehen.
An der Hütte ist niemand zu sehen, aber auf den Tisch steht eine Kanne mit Lingorsaft (Preiselbeersaft) zur Selbsbedienung. Anders als im Vorjahr an der Vistasstugan verzichte ich bei dem kalten Wetter auf eine Erfrischung und wandere gleich weiter.
Von Unna Allakas nach Sjangeli
Von der Hütte führt der Wanderweg am Unna Alakas vorbei. Vereinzelt stehen Birken, deren Blätter schon gelb verfärbt sind. Vorbei an weiteren Gruben und Seen erreiche ich nach rund einem Kilometer eine Furt. Ich kann über Trittsteine in Schuhen ans andere Ufer gehen. Während ich 2017 in Richtung Albiskojaure hier gleich den Ruovssokjohka durchs Wasser gequert hatte, zeigt nun ein Schild Richtung Brücke. Nach 500 Metern stehe ich an einer einfachen Stahlbrücke. Der Magen meldet sich, es ist schon wieder Zeit für eine Mittagspause. Ich setzte mich am anderen Ufer auf die Felsen und hole den Kocher heraus. Sogar die Sonne kommt heraus.
Während Holzstäbe mit roten Kopf den Weg Richtung Alesjaure anzeigen, folgt der Pfad nach Sjangeli der Wintermarkierung. Nach einem kurzen Stück am Ruovssokjohka entlang beigt der Weg nach Nordosten und steigt zum Skáŋgalanjávri auf. Heidekrautgewächse herrschen am Berghang vor. Auch wenn die Steigung angenehm ist, wird mir schnell warm und ich ziehe doch die Regenhose aus. Auf der anderen Talseite sind die Berge Rádječohkat und Gallanvarri wolkenfrei und der Goržžijohka rauscht in einer engen Schlucht den Bergnahng hinab.
Drei Wanderer mit Tagesrucksack kommen mir entgegen und ich vermute sie haben von Unna Alakas die Kupfergruben von Sjangeli besucht. Der Hauptweg führt westlich des Skáŋgalanjávri entlang, während die Grubenanlage im Felsband östlich des Sees liegen.
Die Kupfergruben von Sjangeli
Die Kupfervorkommen am Skáŋgalanjávri wurden erstmals 1696 erwähnt. Damals wurde in Erzproben ein Kupergehalt von rund 20% festgestellt. Da es im Kalfjäll an Bäumen für den Schmelzbetrieb fehlte, musste das Erz im Winter von Samen auf Rentierschlitten nach Svappavaara bzw Kurravaara (nahe dem heutigen Kiruna) abtransportiert werden. Der Betrieb stellte sich schnell als unrentabel heraus und der Standort wurde bereits 1702 aufgegeben. In den folgenden Jahrhunderten kam es immer wieder zu weiteren Abbauperioden. In den 1910er Jahren wurde das letzte Mal Erz gefördert. Während des zweiten Welkriegs war das Ski-Bataillon Norrbotten in Sjangeli stationiert.
Mein erstes Ziel ist die verfallene Gruvstuga, deren Gerippe immer noch Wind und Wetter am Steilhang trotzt. Als das Gelände abflacht, kürze ich ab und gehe ich schräg auf das Felsband zu. Dort stosse ich auf Steinmännchen mit orangen Farbklecks und weiter oben sehe ich die ersten aufgeschichteten Steine. Ich steige auf und schaue mich um. Vom Gebäude ist nichts zu sehen. Ich folge einigen Steinmännchen nach Süden, wo einige Gruben gibt, aber mein Garmin zeigt als Position weiter nördlich, hinter dem Felsen an. Und so folge den Steinmännchen zurück und erspähe wenig später das Gebäude.
Über Heidekrautflächen steige ich zwischen den Felsen ab und stehe wenig später an der Gruvstuga. Es steht noch das Gerippe und die Rückwand. An den Ecken sind Steilseile gespannt, die die Ruine in Position halten. Da die Seiten und Vorderwände fehlen, kann ich das Innenleben betrachten ohne einen Fuß in des baufällige Gebäude zu setzen. Ein Wunder das sie überhaupt noch steht, denn die Gruvstuga stammt vermutlich aus den 1880er Jahren. Es gibt neben einem kleinen Flur zwei Zimmer. In einem stehen noch die Rahmen von Doppelstockbett und Tisch, zudem eine Bank. Im anderen Raum sind die Reste eines Ofens und zwei Eimer zu sehen.
Ich steigen den Hang wiede rhoch und folge Steinmännchen durch die Felsen Richtung Sjangelistugan am Skáŋgalanjávri. Der Weg schlängelt sich an aufgeschichteten Steinen und Grubenlöchern vorbei. Kaum ein Fels an dem nicht abgebaut wurde. Kurz vorm See führt der Pfad auf die östliches Seite der Felsen und es gibt tolle Ausblicke ins Gámavuopmi. Als ich wieder zum See komme werden die Löcher tiefer und sind teilweise mit einem Zaun gesichert.
Die Sjangelistugan besteht aus mehreren Steingebäuden, wobei nur noch die Steinbarack intakt ist. Das Dach ist neu, aber der erdige Boden wirkt sehr feucht. Eine impovisierte Bank lädt bei schlechten Wetter zur Pause ein, die ich lieber in der Sonne vor dem Gebäude mache. Etwas abseits steht eine weitere Holzhütte, die baugleich mit der Gruvstugan ist. Sie soll nach Ende der Erzförderung gebaut worden sein, damit die Grubenlizenz durch Inaktivität nicht erlosch. Im Zweiten Weltkrieg beherbergte sie schwedische Soldaten, die eine deutsche Invasion über die Norwegische Grenze verhinden sollten.
Ich verzichte auf die Besichtigung weiterer Grubenlöcher und überschreite den Seeabfluss. Auf der anderen Seite stehen kleine Holzhäuser der Gabna sameby. Nur ein paar Schneehasen im Sommerkleid sitzen vor dem Haupthaus und verschwinden als ich näher komme.
Anfang 2026 wurde bekann das zwei Explorationsgenehmigungen für Sjangeli an ein kanadisches Unternehmen erteilt wurden und die Gabna Sameby hat gegen beide Genehmigungen Berufung eingelegt hat.
Von Sjangeli weiter Richtung Valfojåkka
Als ich am Nordufer des Skáŋgalanjávri wieder zum Hauptweg gehe, kommen mir zwei Norwegerinnen mit Hunden entgegen. Wir unterhalten uns kurz und so erfahre ich, dass sie von Unna Alakas für einen Ausflug hier hoch bekommen sind. Während dessen steigen zwei weitere Wanderer mit grossen Rucksäcken Richtung Skángaleapmi auf. Ich muss also damit rechnen, das sie an der Raststuga Valfojåkka übernachten.
Auch für mich beginnt der Aufstieg auf den Berghang Skángaleapmi (Sjangeli). Im unteren Bereich noch feucht, wird es wenige Höhenmeter schon steinig. Am höchsten Punkt passiere ich einen Metallschlitten, der auf einen großen Felsen sein Ende fand. Die Sonne steht schon tief, aber ich habe einen tollen Ausblick auf die Berge im Osten.
Bis zur Raststuga Valfojåkka habe ich noch einen grosseren Fluss zu queren. Da ich in der Notfallhütte nicht übernachten darf und Zeltmöglichkeit und Wassernähe mir unbekannt sind, beschliesse ich dort nach einem Zeltplatz zu schauen. Ich steige langam am Berghang entlang ab. Unten im Tal fliesst der Válffojohka, den ich morgen queren möchte. Am Ufer des Flusses quert der Weg eine grosse Sumpfwiese, aber östlich finde ich auf einer Erhöhung einen schönen Platz. Sogar die Raststuga kann ich schon sehen.
Mit Aussicht auf die Abisko-Alperna und das Godučohkka-Massiv geniesse ich meinen wohlverdienten Pulver-Cappuccino. Ich liege immer noch ein paar Kilometer hinter meinem Plan zurück, aber das Wetter soll auch morgen Trocken sein und ich bin optimistisch in zwei Tagen in Riksgränsen im Supermarkt einkaufen zu können. Zum Abendessen entscheide ich mich für Spaghetti mit Lachs-Sahnesauce.


Unna Allakas Fjällstuga STF
Die Unna Allakas Fjällstuga liegt nahe der norwegischen Grenze im Gámavuopmi.
Kirunafjäll: 68°12'14" N, 18°11'7" E
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Fjällstuga
11-25
nein
nein
nein
STF Unna Allakas Fjällstuga (Betreiber: STF)
11.2023


