Aufstieg zur Rengärde am Alisbuoldda
Am Morgen ist das Wetter besser als befürchtet. Das Ziel Unna Allakas ist klar, aber ich muss mich entscheiden, ob ich noch bis zur Alisjaurestugorna wandere oder schon hier aufsteige. Die Wolken sind hoch genug, um am Alisbuoldda vorbei zum Wanderweg nach Unna Allakas zu gelangen. Östlich der Erhebung gibt es einen kleinen Pass mit einer Rengärde, so dass ich dort wenig Steine erwarte. Über den Pass zwischen Gárdečohkka und Alisbuoldda wäre es noch kürzer. Nach der Tour erfahre ich, dass dort entlang früher die Route von Unna Allakas zum alten Standort der Hütte entlang führte. Nachteil der kleinen Abkürzung wäre, dass ich nicht in der Butik einkaufen kann. Ich überlege kurz, da ich aber gut in der Zeit liege und genug Essen habe, entschliesse ich mich für die für mich unbekannte Route.
Um 9:30 bin ich startklar. Die ersten 200 Höhenmeter geht es gerade den steilen Berghang hoch. Als Orientierung dient der Wasserlauf, der oben am Gárdečohkka entspringt. Ich suche mir eine Route mit möglichst festen kurzen Gras und wenig Gestrüpp und winde mich im Zickzack nach oben. Auf ca. 1000 Meter Höhe flacht der Hang etwas ab und ich mache eine Pause. Ich habe eine tolle Aussicht in das Alisvággi. Auch der Guŋgar ist überwiegend wolkenfrei und ich frage mich, ob ich es nicht doch hätte wagen sollen dort über den Pass zu gehen. Die nächste Windböe wischt den Gedanken jedoch gleich wieder weg. Ich betrachte die gegenüberliegenen Berge des Påssustjåkka-Massivs (Bossosčohkka) und wie sich kleine Sonnenflecken durch das Tal bewegen. Nach Süden reicht mein Blick bis zum Lulip Muorahisčohkka und der Bergschulter am Tjäktjapasset.
Der Berghang wird nun flacher, aber ich kann weiterhin nicht bis zum Pass zwischen Gárdečohkka und Alisbuoldda blicken und entscheide mich den Alisbuoldda östlich zu ümgehen. Ich schwenke nach Nordosten und steige weiter langsam im Berghang an. Ich treffe auf einen Pfad, der mich auf einer Terrasse auf 1080 Meter Höhe unterhalb des Alisbuoldda entlang führt. Beim Blick geht nun zu den Häusern in Alisjávri, der Sommerviste der Laevas Sameby, welche farbenfroh am Ufer des Alisjávri stehen. Auch die Hüttenanlage von Alesjaure auf dem felsigen Hügel ist gut zu sehen.
Vor mir äst eine Gruppe von Rentieren im Steilhang. Bei einigen Männchen hängt der Bast schon vom Geweih. Einerseits will ich sowenig Höhe wie möglich verlieren, andererseits die Gruppe nicht bedrängen. Sie bemerken mich und ziehen etwas den Hang hoch, während ich langsam in einem Bogen vorbei wandere. Der Gelände zwischen dem Alisbuoldda und der östlichen Erhebung P 1158 wird steiniger und es geht noch einmal 60 Höhenmeter steil hoch. Dann flacht das Gelände ab und nachdem ich eine Bodenwelle überwunden habe, sehe ich die Rengärde vor mir.
Der Zaun steht und innerhalb der Rengärde wächst frisches grünes Gras. Gleich nebenan liegen verschlossene Kisten und Stangen für die Zeltkote. Auch alte verrottete Holzhaufen von ehemaligen Stangen passiere ich. Ich quere den Seeabfluss und umgehe das Gehege westlich.
Über den Pass zwischen Gárdečohkka und Čoalmmioaivi
Hinter der Rengärde biege ich langsam am Nordhang des Alisbuoldda nach Westen. Ich möchte so wenig Höhe wie möglich verlieren und gleichzeitig die Blockfelder meiden. Ein eisiger Wind bläst mir im Čoalmmivággi entgegen, sobald ich aus dem Windschutz des Berges kommt. Ich blicke zum See Čoalmmiriehpijávrráš hinab. Irgendwo zwischen See und mir liegt der Wanderweg. Vor lauter Steinen kann ich jedoch keine Markierung entdecken und gehe ich der Nase nach, der Pass zwischen den Bergen reicht als Orientierung.
Schlieslich sehe es vor mir orange leuchten, die erste Wegmarkierung ist entdeckt. Ich blicke nun von der Nordseite zum Pass zwischen Gárdečohkka und Alisbuoldda. Hier liegt zwar einiges an Geröll, aber der Übergang wäre problemlos möglich gewesen. Ich wandere nun auf dem offiziellen Weg gegen den eiskalten kräftigen Wind. Trotzdem, dass ich die Regenhose über der Wanderhose anhabe ist mir kalt. Ein zweites Mal auf dieser Tour muss ich die Windbreakerhandschuhe anziehen um nicht das Gefühl zu verlieren.
Der Wind stürmt über die karge Landschaft. Auch wenn es schon längst Mittagszeit ist, an eine richtige Pause ist ohne Windschatten nicht zu denken. Mit dem Rücken zum Wind setzte ich mich kurz, um ein paar Nüsse zu essen, dann kämpfe ich mich weiter voran. Auf der Passhöhe erwartet mich ein grosses Geröllfeld und die Wintermarkierung ersetzt die Steinmarkierungen. Einige Steinmännchen führen den Wanderer möglichst einfach durch das Steingewirr, trotzdem bin ich froh, als ich wieder Grassoden unter den Füssen habe.
Abstieg zum Stuor Allagas
Vom Pass steigt der Weg steil und ziemlich gerade hinab zu den Seen am Snárapjohka. Die Sonne scheint an den Seen und ich überlege kurz, ob ich zur Furt absteigen soll oder wie 2017 unterhalb des Bajip Snárapjávri über den Steindamm queren soll. Da die Wasserstände niedrig sind, entschliesse ich mich diesmal für die offizielle Furt. Die Knie schmerzen beim Abstieg und ich verfluche die Wegführung.
Dann ist die Furt des Snárapjohka endlich erreicht. Die Steine liegen teilweise unter der Wasseroberfläche und das Wasser fliesst recht flott. Ich habe die Wahl zwischen nassen Schuhen, Schuhe wechseln oder am nassen Ufer zum Bajip Snárapjávri gehen. Scharf bin ich auf keine der Möglichkeiten. Die Sonne erleichtert die Entscheidung für die Watschuhe. Auch wenn ich schnell bin, verliere ich einer Furt mindestens eine Viertelstunde nur für das Schuhewechseln.
Kaum ist die Sonne verschwunden wird es gleich wieder kalt. Für mich geht es nun weiter an der Ostflanke des Snárapbákti entlang. Der Weg ist etwas undeutlich, aber die Wintermarkierung gibt die Richtung vor. Vor mir ziehen Regenschauer über dem Gámavuopmi-Tal entlang. Beim Blick auf die Uhr wird mir klar, dass es Sinn macht noch vor dem Abstieg nach Unna Allkas einen windgeschützten Platz suchen. Das Tal zwischen Stuor und Unna Allagas mit dem Allgasjávri hatte ich sehr sumpfig und mit viel Weidengestrüpp in Erinnerung.
Während östlich von mir die Hochplateau Snárapláhku liegt, kann ich westlich den norwegischen Storsteinsfjellet sehen. Der Wind peitscht über das Kalfjäll und ein Windschutz ist nicht in Sicht. Ich steige zum Unna Snárabáš ab. Der Fluss hat nicht viel Wasser, sodass ich trotz kaputter Brücke ans andere Ufer gelange. Ich setze den Rucksack ab und fülle meine Wasservorräte auf. Schwer bepackt steige ich am anderen Ufer auf und hoffe am nahen See einen Zeltplatz zu finden. Da es dort jedoch sehr uneben oder steinig ist, wende ich mich dem Stuor Allagas zu.
Auf der anderen Seite des Weges gibt es ebene Flächen und der Bergausläufer des Stuor Allagas bietet etwas Windschatten. Wie ein Hund drehe ich meine Schleifen für besten Platz. Ich baue das Zelt mit Blick Richtung Várddut auf und gönne mir eine Blaubeersuppe zum Aufwärmen. Cous-Cous mit Pfeffersauce ist schnell zubereitet und gibt Energie. Morgen soll es trocken, aber bewölkt bleiben. Noch ein Tee und ein paar Notizen und dann entfliehe ich der Kälte indem ich mich schon früh in den Schlafsack verkrieche.




